Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

e-mail

Startseite Franz Wilfinger Artikel Vorträge-Veranstaltungen Susanne Kopeszki Rundbriefartikel Rezepte Verschiedenes Berufsgemeinschaft-Phh

Rundbrief 1/2010 Der Mensch ein Wesen, das riechen kann
  Zu diesem Thema fällt mir zu allererst ein Bub aus unserer Pfarre ein, der alles, was er in die Hand genommen hat sogleich zur Nase führte um daran zu riechen. Egal ob das ein Spielzeug, ein Buch, ein anderer Gegenstand oder eine Speise war. Erst wenn ihm der Geruch zugesagt hat, dann wurde der Gegenstand verwendet oder die Speise gegessen.
  Dann erinnere ich mich an die alte Dame, die in der ersten Zeit für meinen Chef gekocht hat. Als sie uns in späterer Zeit hin und wieder besuchte, erwähnte sie immer den "Pfarrhaus-Duft". Auf jeden Fall gehörte da der Geruch nach Kerzen und Weihrauch dazu. Vermischt mit dem "Duft" von Pfeifenrauch. Bei uns geht der Spruch: man riecht, ob der Pfarrer im Haus anwesend ist oder nicht.
  Jeder Mensch hat einen sehr individuellen Eigengeruch, der auch auf die Gegenstände übergeht, die er benützt. So dass Hunde die Fährte eines Vermissten aufnehmen können. Dieser Geruch kann sich bei einer Krankheit verändern. (Diabetes, Mumps, ..) Auch bestimmte Speisen nehmen darauf Einfluss - man denke nur an Knoblauch.
  Den Geruchssinn können wir nicht abschalten, er ist immer da und wir reagieren - meist unbewusst - auf alles was uns über die Luft in die Nase steigt. Die 1,5 Millionen Riechzellen, die nur ca. 2,5 cm² Fläche einnehmen leisten ganze Arbeit. Die Eindrücke, die wir über den Geruch aufnehmen beeinflussen aber auch unsere Emotionen und Sympathie oder Ablehnung. Eine Alkoholfahne oder Schweißfüße sind nicht dazu angetan, das Gespräch auszudehnen oder zu genießen. Auch ein Konzertbesuch oder die Mitfeier des Gottesdienstes kann in der Nähe eines stark Duftenden (ob ungewaschen oder parfümiert) zu einer Qual werden. Kinder schmiegen sich unbekümmert an einen und sagen - du riechst so gut. Aber auch Liebe und Partnersuche gehen über den Geruch.
  In früheren Zeiten, als sich die Leute nicht so oft gewaschen haben, war es üblich mit sehr viel künstlichem Duft den natürlichen Geruch zu übertönen. Dabei ist es so, dass man den eigenen Geruch nicht wahrnehmen kann und daher tun auch heute manche des Guten zuviel. Derzeit sind Räucherstäbchen und Duftöllampen hoch in Mode. Bei einem Zuviel kann es schon mal zu Kopfschmerzen kommen.
  Gerüche erreichen uns direkt, ohne dass wir zuerst darüber nachdenken. Das machen sich auch findige Geschäftsleute zunutze. Sie setzen Gerüche ganz bewusst ein um die Kauflust zu wecken und zu fördern. Wenn es nach frischem Brot riecht bekommen wir Hunger. Der Duft von Blumen oder von Meeresluft lässt uns vom Urlaub träumen und vielleicht auch einen buchen.
  Wie alle anderen Sinne kann auch der Geruchssinn abstumpfen. Wer in der Stadt lebt, genießt den Geruch der Natur, von Wald und Wiese im Urlaub und merkt den Unterschied erst wenn einmal ein Auto vorbeifährt.
  Die Bibel verwendet das Bild von der Nase durch die Gott dem Menschen Leben eingehaucht hat. Es ist also wichtig - lebenswichtig - dass der Menschen atmen und riechen kann.
  Susanne Kopeszki (RB der ED Wien 4/09)