Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Rundbrief 3/2020 Gesundheit und Krankheit
Bei jedem Geburtstag wurde mir „vor allem Gesundheit“ gewünscht, denn sie sei das Wichtigste im Leben. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte gesund zu sein, es ist schließlich die Voraussetzung für meinen Dienst, aber irgendwie kann ich diesem Satz nicht ganz zustimmen. Krankheit und Leiden sind ein Ausdruck unserer Geschöpflichkeit und wir alle wissen, dass mit der Zunahme an Jahren, auch die Beschwerden zunehmen. Zuerst sind es nur kleine „Wehwehchen“, die aber mit der Zeit gravierender werden und sich zu schwerwiegenden Krankheiten entwickeln können. Obwohl kein Mensch – ob jung oder alt - zu keiner Zeit vor Krankheiten geschützt ist. Im Umfeld erlebe ich auch immer wieder, dass Kinder und Jugendliche erkranken, manchmal auch lebensgefährlich, dass auch Kinder und Jugendliche sterben, nicht nur ältere und alte Menschen.
Gesundheit ist ein großes Gut und es liegt in unserer Verantwortung dafür Sorge zu tragen. Das sind wir Gott, unseren Mitmenschen und uns selber schuldig. Wir leben in einem Land, wo die Gesundheitsvorsorge groß geschrieben wird. Bei uns gibt es viele Möglichkeiten Krankheiten schon im Anfangsstadium zu entdecken und zu behandeln. so dass wir lange in relativer Gesundheit leben und für andere wirken können. Dies sollten wir auch nützen.
In meinem Dienst als Krankenkommunionhelferin hatte und habe ich immer wieder mit Menschen zu tun, die nicht mehr in die Kirche gehen konnten und können und doch den Wunsch haben am Leben der Gemeinde teilzunehmen. In den Gottesdiensten, die ich mit ihnen gefeiert habe, habe ich diesem Wunsch Rechnung getragen und Lesung oder Evangelium des jeweiligen Tages genommen, meist etwas aus der Predigt erzählt oder ein Lied gesungen/gebetet, das auch im Gemeindegottesdienst vorkam. Meist bin ich bereichert und beschenkt zurück gekehrt, mit Dankbarkeit im Herzen, dass ich diesen Dienst tun darf.

Oft ergaben sich – ausgehend von den Schriftstellen - tiefe Gespräche über den Glauben und wie er in schweren Zeiten trägt und tragen hilft. Einige Floskeln, die sonst oft zu hören sind, habe ich mir abgewöhnt. So kann ich den Satz „es wird alles wieder gut“ nicht mehr sagen. Vor allem wenn ich weiß, dass der andere eine Krebserkrankung oder andere schwerwiegende Krankheit hat, bei der es nach menschlichem Ermessen nicht mehr gut wird. Ich verstehe schon, dass Besuche bei Kranken nicht ganz einfach sind. Man ist unsicher und überlegt sich: worüber soll ich reden, soll ich nach der Krankheit fragen, oder darf/soll auch anderes zum Thema werden? Da fällt mir der Kommentar meiner Mutter ein, die nach Besuchen erklärt hat: „wie komme ich dazu, dass ich die anderen tröste, weil ich krank bin“.
Ein anderer Satz regt mich fast noch mehr auf: „wie geht es der Hand, dem Fuß, dem Herz“. So als gäbe es nur das kranke Organ und nicht den Menschen, der dahinter steht. Der kranke Mensch hat auch andere Sorgen und Probleme, die nicht immer mit der Krankheit zu tun haben, gemeinsam mit ihm dafür zu beten kann Erleichterung schaffen.
Oft ertappte ich mich dabei, mich nur nach dem/der Kranken zu erkundigen. Daher habe ich mir angewöhnt, nach den ersten Fragen um den Kranken, auch die Betreuungsperson zu fragen: „und wie geht es dir“? Ganz besonders, wenn die Pflege und Betreuung über längere Zeit geht, ist diese Frage wichtig. Es nützt nämlich niemandem, wenn die Menschen in der Umgebung eines Kranken so überlastet und ausgelaugt sind, dass sie selber krank werden. Die Frage sollte an alle gestellt werden – auch an die ausländischen Pflegekräfte, die meist gar niemanden haben, der sie versteht, weil sie eine fremde Sprache sprechen selber aber auch Sorgen in den Heimatländern bei der eigenen Familie haben.
Von einer Frau aus unserer Gemeinde die 92 plus ist und vielen anderen, könnten wir lernen Gott dankbar zu sein für das, was (noch) möglich ist. Sich darüber zu freuen selbstständig zu sein, aber auch dankbar die Hilfen anzunehmen, die man braucht und unserem Leben auch dann noch einen Sinn zu geben, wenn Alter und Krankheit den Alltag bestimmen.
  Das Tagesgebet vom 17. Sonntag im Jahreskreis formuliert das so: Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen; ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig. Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg und hilf uns, die vergänglichen Güter so zu gebrauchen, dass wir die ewigen nicht verlieren.
  Susanne Kopeszki (RB der BG/PHH der ED Wien 2/2020)