Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Rundbrief 4/2018 Das Wort ist Fleisch geworden
Dieses Wort stammt aus dem 1. Kapitel des Johannesevangeliums Vers 14 und wir beten es täglich beim Engel des Herrn. Weihnachten ist das Fest, an dem wir dieses Geheimnis unseres Glaubens, die „Menschwerdung Jesu Christi, des Wortes Gottes, das in unsere Welt kam“, feiern.
Schon Augustinus und andere Kirchenväter haben sich dazu Gedanken gemacht. Von ihnen stammt der Ausspruch: „Noch ehe Maria das Wort im Leib empfing, empfing sie es im Ohr“. Dazu gibt es eine bildliche Darstellung im Tympanon an der Marienkapelle in Würzburg, die ich bei einer Reise gesehen habe. Die Fremdenführerin hat damals von einer „Christkindl-Rutsche“ gesprochen. Das ist mir wieder eingefallen, als ich den Einkehrtag zum Thema Wort Gottes vorbereitet habe.
Die Verkündigung an Maria durch den Engel Gabriel ist hier in einzigartiger Weise dargestellt. Ich lade ein, das Bild zuerst einmal selbst zu betrachten und dann erst die Beschreibung zu lesen.

Gotisches Tympanon am Nordportal des Würzburger Doms. Foto aus dem Internet
Oben in der Mitte ist Gott Vater dargestellt. Ein Fuß ragt in die Welt. Darunter sind zwei kleine Engel zu sehen, die einen Vorhang halten, der den Hintergrund für den Engel Gabriel (links) und Maria (rechts) bildet. Beide sind knieend abgebildet. Zwischen diesen beiden steht ein Gefäß mit einer Blume. Hinter der Gottesmutter ist eine Art Kerzenständer zu sehen, der aus einem Stamm wächst. (Wurzel Jesse). Das Spruchband das sich aus der linken Hand des Engels in Richtung Maria entfaltet trägt in Abkürzung die Inschrift: „Ave Maria gratia plena Dominus tecum“, „sei gegrüßt Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir“.
Die rechte Hand des Engels zeigt die ersten drei Finger (Dreifaltigkeit),. Maria hat die rechte Hand auf dem Herzen, die linke zeigt auf eine Stelle im aufgeschlagenen Buch.
Vom Mund Gott Vaters geht eine Art Schlauch in einem Bogen bis zum linken Ohr der Gottesmutter. Das Ende bildet die Taube, als Zeichen für den Heiligen Geist. Ungefähr in der Mitte des Schlauchs ist ein kleines Kind zu sehen, das auf dem Bauch kopfüber in Richtung Ohr der Gottesmutter rutscht.
Ich finde das eine wunderschöne Darstellung, die ihresgleichen sucht. Der linke kleine Engel schaut Maria an, der recht sieht auf den Betrachter des Tympanon. Er scheint zu sagen: „Schaut nur genau hin auf das Geheimnis der Menschwerdung“. Beachtlich finde ich auch die kunstvolle Bearbeitung des Steines. Wie genau und fein alles aus dem Stein herausgearbeitet wurde.
  Susanne Kopeszki (RB der BG/PHH der ED Wien 4/2018)