Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Dezember 2020
Göttlicher Heilsplan – menschliche Reaktionen
Die Heilswerke Gottes vollziehen sich in der Geschichte der Menschen. Dem trägt auch Lukas schon im 1. Kapitel seines Evangeliums Rechnung. Während die Geburt Johannes des Täufers mit der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa verbunden wird, fällt die Geburt Jesu in die Zeit des Kaisers Augustus, der über „die bewohnte Erde“ herrschte. Johannes bleibt noch in der Enge Judäas, Jesus bringt der ganzen Welt Heil. Die Zeit, in der das Heil verheißen wurde, geht mit dem Täufer zu Ende, die Zeit, in der die Verheißungen erfüllt werden, beginnt mit Jesus. Er überbietet den Täufer, wird aber für sein Wirken durch Johannes den Täufer vorbereitet, der sechs Monate älter ist [Liturgisch: Geburtsfest Johannes d. Täufers 24. Juni; Geburtsfest Jesu: 24. Dez.].
Lukas stellt 1,5-7 die Eltern des Johannes vor: Zacharias (sein Name bedeutet: Gott ist eingedenk) –und Elisabeth (Gott hat geschworen). Sie lebten untadelig vor Gott, waren schon vorgerückten Alters, aber kinderlos – was als Strafe für geheime Sünden galt und von der Teilnahme am Reich des kommenden Messias ausschloss. (Große Gestalten der Heilsgeschichte waren Kinder unfruchtbarer Mütter, Geschenke des heiligen Gottes, Eingreifen Gottes in die versagende Natur: Isaak (Gen 17,16); der Richter Samson (Ri 13,2), Samuel (1Sam 1-2). Auch Johannes sollte zur Reihe dieser Gestalten gehören. Die Darstellung von der Verkündigung des Johannes ist von der Verkündigungsgeschichte dieser Männer inspiriert. Johannes war ein Kind der Gnade Gottes, Gott in neuer Weise geweiht und geheiligt.
Lk 1,8-17 Das Rauchopfer ist Sinnbild des zu Gott emporsteigenden Gebetes. „Als Rauchopfer gelte dir mein Gebet. Erheb ich meine Hände, sei dies ein Opfer am Abend“ (Ps 141,2): Die Erscheinung des Engels löst in Zacharias Verwirrung und Furcht aus. Der Bote Gottes ist von der ehrfurchtgebietenden Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes umstrahlt. Die Botschaft des Engels – nicht Furcht, sondern Ermutigung, Gott will aufrichten, nicht niederdrücken.
Von Zacharias würden wir jetzt erwarten zu hören: Mein jahrzehntelanges Bitten um Nachkommenschaft und nach dem Gesetz leben ist jetzt erhört worden und damit auch meine Hoffnung am kommenden Reich des Messias teilzuhaben. Gott bestimmt den Namen des Sohnes, in ihm sind seine Sendung und sein Auftreten enthalten. Der Name, den das Kind tragen soll Johannes bedeutet: Gott ist gnädig! Die gnadenvolle Heimsuchung Israels durch den gottgesandten Messias steht unmittelbar bevor - und sein Sohn Johannes wird die nahe Heilszeit ankünden, der Wegbereiter des Messias sein.

Lk 1,18-23

Aber: Zacharias spricht kein Wort der gläubig-dankbaren Zustimmung, sondern fragt nach einem Zeichen, woran er erkennen kann, dass es nicht leere Versprechungen sind, die er gehört hat. Ähnliches verlangten auch Männer der israelitischen Vergangenheit (Abraham, der Richter Gideon und der König Hiskia) und erhielten sie. Für Zacharias ist das verlangte Zeichen – das Stummwerden – ein Strafzeichen. Für mich zeigt Zacharias, wie auch ein jahrzehntelanges vorbildliches Leben und Bitten zu tiefer Resignation führen können, die Hoffnung und gläubiges, liebendes Vertrauen zum völligen Verstummen bringen. Da nützt auch die Vorstellung des Engels Gabriel (Gott ist mächtig) nichts, der gekommen war, um eine „frohe Botschaft“ zu bringen. Gott gewährt Zeichen, will aber, dass der Mensch warte, welches Zeichen Gott ihm gibt, dass er zum Glauben auch ohne Zeichen bereit sei. „Selig, die nicht sehen und doch glauben“ sagt der Auferstandene seinem Apostel Thomas.

Lk 1,24,25 Elisabeth reagiert nach Lukas ganz anders auf ihr Mutter-werden-dürfen: „So hat mir der Herr getan in den Tagen, an denen er auf mich sah, um meine Schmach unter den Menschen wegzunehmen.“ Mit ihrem dankbaren Vertrauen ist sie wohl ihrer jungen Verwandten Maria, sehr ähnlich, für die die Mitteilung über ihre Schwangerschaft zum Zeichen wird, das ihre gläubige Zustimmung „siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du gesagt hast“ noch bestärkt.

Lk 1,26-38


Verkündigung - Paulanerkirche

In der Erzählung von der Verkündigung Jesu spricht der Engel dreimal, dreimal äußert sich Maria. Dreimal wird gesagt, was Gott mit ihr vorhat, dreimal, wie sie sich zum Angebot Gottes stellt. Der Engel tritt bei Maria ein (1,26-29), verkündet die Geburt des Messias (1,20-34) und offenbart die jungfräuliche Empfängnis (1,35-38).

Der Engel grüßt Maria, Zacharias hat er nicht gegrüßt. Er grüßt dieses Mädchen aus Nazareth, obwohl in Israel damals ein Mann einer Frau keinen Gruß entbot. Der Gruß wird in zwei Grußformeln entboten. Jede besteht aus Gruß und Anrede. „Freue dich, Begnadete“ ist die erste. Wer griechisch spricht, grüßt mit dem Worte: Freue dich. Wer aramäisch spricht, grüßt wie Jesus nach der Auferstehung seine Jünger gegrüßt hat: Friede sei mit euch! Der Gruß war verklungen, Maria erschrak über das Wort des Grußes. Zacharias erschrak über die Erscheinung des Engels, Maria aber erschrickt über das Wort. Die kleine Magd erschrickt über die Größe des Grußwortes.

Die Verkündigungsworte, die Johannes galten, waren an Zacharias gerichtet und sprechen über die Frau. Jetzt spricht der Engel nur zu Maria. Sie wird empfangen und gebären und den Namen geben. Ein Mann und Vater wird nicht genannt. Das Geheimnis der jungfräulichen Empfängnis wird vorbereitet. Johannes ist groß vor Gott, Jesus ist große ohne Einschränkung und Maß. Er wird Sohn des Höchsten genannt werden und sein. Der Name gibt das Wesen wieder. Die Kraft des Allerhöchsten wird Maria überschatten, ihr Sohn wir darum Sohn Gottes heißen. Maria hat aus der Botschaft Gottes Willen erkannt. Diesen Willen erfüllt sie als Magd des Herrn
Von Josef ist kein Wort überliefert. Matthäus und Lukas berichten aber vom Tun, von seinen sorgenden Umgang mit Maria und Jesus. Aus ihm lässt sich erschließen, dass er tiefes, vertrauensvolles Ja zum Plane Gottes gesprochen hat.
Msgr. Franz Wilfinger