Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

e-mail

Startseite Franz Wilfinger Artikel und Gedanken-Anregungen Vorträge-Veranstaltungen Susanne Kopeszki Rundbriefartikel Rezepte Verschiedenes Berufsgemeinschaft-Phh


Das Buch der Weisheit
(November 2020)
Anmerkungen zu 11,23 - 12,1-2.16-19
  Den Titel “Buch der Weisheit“ trägt dieses Buch in der lateinischen Bibel, in der griechischen Bibel heißt es „Buch Salomo“. Das Buch stammt aus der jüdischen Diaspora in Ägypten, wahrscheinlich aus Alexandria, dem berühmten Zentrum hellenistischer Wissenschaft. Es ist das späteste Buch des Alten Testamentes. Die Verfolgung gesetzestreuer Juden durch abgefallene Juden (Kap 2) weist in die Zeit zwischen 80 und 30 v. Chr.
Der Verfasser wendet sich tröstend und mahnend an seine verfolgten Glaubensgenossen aber auch drohend und warnend an ihre Verfolger, die abgefallenen Juden und einladend und werbend an seine heidnische Umwelt, indem er die Offenbarungsreligion als Gabe der Weisheit darstellt. Die griechisch sprechenden Juden der Diaspora haben das Buch der Weisheit, wie auch andere deuterokanonische (in griechischer Sprache abgefasste, damit nicht im jüdischen Kanon befindliche) Bücher gern gelesen. Von ihnen hat es die frühe Kirche in ihren Kanon übernommen.
Durch seine klare Lehre von der Unsterblichkeit, die erhabene Schau des göttlichen Wirkens im Zusammenklang von Allmacht, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit und durch die Aussagen über die aus Gottes Wesen hervorgehende und mit ihm aufs innigste verbundene Weisheit ist das Buch der krönende Abschluss der alttestamentlichen Weisheitsliteratur und führt bis an die Schwelle des Neuen Testaments heran. Paulus spielt öfter an Texte dieses Buches an (vgl. Röm 1,23-32; 11,33) – zitiert aus der Einführung zur Einheitsübersetzung/Herderbibel 1980
Ähnlich die Einführung zum Buch der Weisheit in Bibel in Wort und Bild 4/Andreas-Verlag 1969, herausgegeben von Univ.-Prof. Dr. Günter Sternberger und Sr. Dr- Mirjam Prager OSB. Der Verfasser des Buches der Weisheit will die Gläubigen der jüdischen Gemeinde von Alexandrien und das Judentum der Diaspora seiner Zeit wie auch die Gläubigen kommender Zeiten „Gerechtigkeit“ lehren, nämlich die aufgeschlossene und aufmerksame Annahme des göttlichen Willens und die Übung seines Gesetzes. Sie allein ist die echte Weisheit des Herzens, die sich im rechten Tun ausdrückt.

 

In der Lesehore, einem Teil des täglichen Gebetes aus dem Brevier, war in den letzten Wochen jeweils kurze Abschnitte aus dem Buch der Weisheit. Sie regten mich an, mich mit diesem Buch des Alten Testamentes zu beschäftigen. Erstaunlich, welche Themen da angeschnitten wurden z. B. Stärke als Hintergrund für geduldiges Warten, damit Zeit zur Umkehr, zum Bessern gegeben ist; oder Gott, der Freund des Lebens. Beide Haltungen, Stärke, Geduld und das positive Verständnis der Zeit als Chance für Umkehr sollten Gläubige im Um-gang mit den Mitmenschen üben, wenn und weil sie sich zu Gott, dem Freund des Lebens bekennen.. Weil Gott, der Freund des Lebens ist, erwächst aus Stärke, Geduld die Vergebung und damit neue Lebenschancen.

  Die Zeit, die uns geschenkt ist, dürfen wir als Chance sehen, um Gott ähnlicher zu werden. Gleichzeitig kann die uns geschenkte Zeit mit all dem, was sie enthält, auch zur Versuchung werden – denken wir an die letzte Vaterunser-Bitte.

11,23: < Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über alle Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren.
11,24: < Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest es du nicht geschaffen.
11,25: < Wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
11,26: < Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
12,1: < Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
12,2: < Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.

12,16: < Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit, und deine Herrschaft über alles lässt dich gegen alles Nachsicht üben.
12,17: < Stärke beweist du, wenn man deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die trotzige Auflehnung.
12,18: < Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst.
12,19: < Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der erechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern Umkehr gewährst.