Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Paulaner Nachrichten:
September/Oktober 2010
Mut zur Barmherzigkeit
Beginn des Arbeitsjahres, Einladung zur Mitarbeit in der Pfarre, Sonntag der Völker, Schutzengelfest, Gemeinderatswahl, Diözesanversammlung, Weltmissionssonntag - alles böte sich für den Leitartikel an.

Wählt man eines, fallen die anderen unter den Tisch. Wo aber ein Wort, einen Begriff finden, dessen Verwirklichung im kirchlichen wie gesellschaftlichen Leben von Bedeutung ist und vieles einschließt? Der "Zufall" kam mir zu Hilfe.

In der Zeitschrift: Lebendige Seelsorge Heft 3 2010 fand ich den Auszug einer Rede, die der frühere deutsche Bundeskanzler Willy Brandt am 12. Oktober 1972 in Dortmund gehalten hat. Die bemerkenswerte und auch für heute hochaktuelle Textpassage lautet:

"Unsere Gesellschaft hat sich ein neues Selbstbewusstsein erarbeitet, es ist durch Leistung erdient. Wir denken nicht daran, die Leistung zu verachten. Doch sie kann ihren Sinn nicht in sich selbst finden. Wir vergessen nicht, was ihr eigentlicher Maßstab ist: die Sorge für die, denen der Atem ausgeht; für die vielen, deren Leben noch immer Mühsal und Last ist, die wir in der Verkrampfung unserer Energien zu oft erschöpft am Wegrand des Fortschrittes zurücklassen. ...
Für John F. Kennedy und seinem Bruder Robert gab es ein Schlüsselwort, in dem sich ihre politische Leidenschaft sammelte: es heißt "compassion". Die Übersetzung ist nicht einfach Mitleid, sondern: Die Bereitschaft, mitzuleiden; die Fähigkeit, barmherzig zu sein, ein Herz für den anderen zu haben.... Ich sage ihnen und ich sage den Bürgern und Bürgerinnen unseres Volkes: Habt den Mut zu dieser Art Mitleid. Habt Mut zur Barmherzigkeit!"

Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland erklärten in einem gemeinsamen Wort im Jahr 1997 :

  "Die Kirchen haben in der biblischen und christlichen Tradition einen reichen Schatz, der wie in der Vergangenheit so auch in der Zukunft kulturprägend wirksam gemacht werden kann. Sie stehen für eine Kultur des Erbarmens. Die Erfahrung des Erbarmens Gottes, von der Befreiung Israels aus Ägypten an, ist in der Bibel die Grundlage für das Doppelgebot der Gottes - und Nächstenliebe.
  Den Blick für das fremde Leid zu bewahren ist Bedingung aller Kultur. Erbarmen im Sine der Bibel stellt dabei kein zufälliges, flüchtig - befristetes Gefühl dar. Die Armen sollen mit Verlässlichkeit Erbarmen erfahren. Dieses Erbarmen drängt auf Gerechtigkeit."
  Sich für eine Kultur des Erbarmens einzusetzen, indem viele vor allem bei sich selbst mit dem Mut zur Barmherzigkeit beginnen, wäre doch ein einladendes Motto -
meint Ihr Pfarrer Franz Wilfinger


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