Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Barmherzigkeit
  Sprichwörter geben oft treffend – wenn auch nicht immer in schönen dichterischen Worten – Aspekte der menschlichen Wirklichkeit wieder. So auch dieses: „Wes(sen) Herz voll ist, dem fließt der Mund über“. Was einem selbst nicht loslässt, was einem wichtig und für das Leben bedeutsam ist, darauf kommt man immer wieder zu sprechen. Das trifft wohl in unserem alltäglichen Leben zu, aber gilt es nicht auch für den Bereich des Glaubens, der Religion? Papst Franziskus verwendet oft das Wort Barmherzigkeit, ja für 2016 hat er ein Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen.
Im gewöhnlichen Sprachgebrauch verbinden wir mit dem Wort Barmherzigkeit wohl Mitleid und Verzeihung. Aber für die biblische Erfahrung verbindet sich damit vor allem das Erbarmen Gottes, das sich vor allem in der Zuneigung, dem Mitleid und in seiner Treue zeigt. Gott offenbart von Anfang bis zum Ende in jeder menschlichen Not seine zärtliche Liebe; der Mensch aber muss sich seinerseits wieder in der Nachahmung seines Schöpfers gegen seinen Nächsten barmherzig erweisen.
  Im Buch Exodus 34,6 begegnen wir zum ersten Mal einer Formel, die dann in einigen Psalmen wiederholt wird, so dass man sie auch als Gnadenformel bezeichnet hat: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue.“ Wenn Gott erbarmungsvolle Liebe ist, wie sollte er dann nicht auch von seinen Geschöpfen verlangen, dass sie einander dieselbe erbarmungsvolle Liebe zeigen?
Im Mensch gewordenen Sohn Gottes, in Jesus, ist uns das „Antlitz“ der göttlichen Barmherzigkeit gezeigt. Im Lukasevangelium 1,78 weist Zacharias, der Vater Johannes des Täufers auf den nahen Messias hin, dem sein Kind, sein Sohn, den Weg bereiten wird: "Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe".
  Im Evangelium nach Matthäus finden wir zwei Stellen, in denen Jesus die Seinen auffordert, der göttlichen Barmherzigkeit in ihrem Tun zu entsprechen. Mt 5,7: Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden. Mt 9,13: Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer (angelehnt an ein Zitat aus dem Buch des Propheten Hosea 6,6).
  Der Evangelist Lukas überliefert uns eine mahnende Einladung Jesu, der nachzukommen wohl in jede Zeit, besonders aber in die vorweihnachtlichen passt: "Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist“ [Lk 6,36]
meint Ihr Pfarrer Franz Wilfinger