Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Nur ein Bild
Anlässe, Anstöße, Anregungen, dass "man sich eben so seine Gedanken macht" können recht unterschiedlich sein: eine Bemerkung, zufällig aufgefangen, ein Wort, das einem stutzig macht, eine unerwartete Begegnung, ein Ereignis, das uns nicht loslässt, lösen eine Gedankenfolge aus, die uns manchmal recht weit vom unmittelbaren Anlass wegführt. Manchmal ist es auch nur ein vertrautes Bild, das zum Auslöser einer ganzen Gedankenkette wird.

Für mich war das Betrachten des Bildes unseres Familienaltares, das die Anbetung der Hirten an der Krippe darstellt. so ein Auslöser. Groß und unübersehbar hat der unbekannte Künstler die "Hauptakteure" dargestellt: Das Kind in der Krippe, seine Mutter und den heiligen Josef, der mit behutsamer Geste die herbei geeilten Hirten und Hirtinnen auf das Kind verweist, so als wollte er ihnen sagen: "Ja, betet nur an. So weit ist uns Gott nahe gekommen, dass sein Sohn Mensch wurde. Jetzt ist er einer von uns geworden, er ist und bleibt mitten unter uns". Die Hirten und Hirtinnen kamen nicht mit leeren Händen, Ihre Gaben - symbolisch bereits auf das Leiden und die Auferstehung hinweisend (gebundenes Lamm, ein Hahn, ein Körbchen mit Eiern)- haben sie bereits vor die Krippe hingelegt. Natürlich sind auch im Hintergrund, im Dunklen, Ochs und Esel zu erkennen. Aus dem offenen hellen Himmel blicken neugierig, staunend kleine Engel auf das Geschehen im Stall. Die ganze Schöpfung, Himmel und Erde beten das Kind an, der "als Gott mit uns - Immanuel" bei den Menschen sein will.

Aber das Altarblatt lässt noch mehr erkennen. Ganz im Hintergrund, weit weg vom vordergründigen Geschehen, ist eine kleine Kirche auszunehmen. Es ist die Wiedergabe der ersten Paulanerkirche, die 1651 geweiht wurde. Kirche und Kloster der Paulanermönche lagen vor der Stadt, ihrem Leben und Getriebe entrückt. Das hat sich gründlich geändert - der Kirche ist die Stadt näher gerückt.

Das frühere Kirchlein der Mönche ist heute eine Pfarrkirche mitten im Getriebe der Großstadt. Heute lässt sich - dem Augenschein nach - mit mehr Berechtigung sagen: Gott wohnt, ist mitten unter uns. Räumlich gesehen haben die Wohnstätten der Menschen die Wohnung Gottes in ihre Mitte genommen. Aber - und hier macht man sich so seine Gedanken - ist man damit auch schon innerlich Gott näher gekommen? Lässt sich nicht eine zunehmende Gleichgültigkeit, ja ein mehr oder minder schleuniges inneres Wegrücken erkennen?

  In der bekannten liturgischen Grußformel "Der Herr sei mit euch" klingt einerseits die Feststellung an: Der Herr ist bei euch. Andererseits aber auch die Einladung: Sucht ihn auf, betet ihn an, kommt nicht mit leeren Händen. Bringt eure Bereitschaft mit, euch mit eurer Zeit, euren Fähigkeiten und Begabungen für die Gemeinschaft der an Christus Glaubenden, für die Kirche einzusetzen. ER ist bei uns - wollen wir bei ihm sein?
  Nur bei der Betrachtung eines Bildes in der Kirche, kann man sich so seine Gedanken machen: Ein Bild, das nur an Vergangenes erinnert oder eins, das auch Gegenwärtiges widerspiegelt,
sinniert Ihr Pfarrer Franz Wilfinger