Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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In der Apostelgeschichte (z.B. Apg 16,14) aber auch in jüdischen Quellen wird von Menschen berichtet, die sich im Dunstkreis der jüdischen Gemeinden aufhielten, aber nicht zum Judentum gehörten. Man nannte sie „Gottesfürchtige“. Sie waren Menschen, die auf der Suche waren und dabei Antworten auf die Frage des Lebens in der jüdischen Religion fanden. Viele von ihnen traten nach der Missionstätigkeit des Paulus und anderer frühchristlichen Missionarinnen und Missionaren den jungen christlichen Gemeinden bei. Befreit vom Makel der nichtjüdischen Geburt und von der Last des ganzen jüdischen Gesetzeswerkes und seiner vielen Vorschriften wurden sie oft zu den lebendigsten Mitgliedern der frühen christlichen Gemeinden.
Christoph Baumgarten, Pfarrer der Pfarre St. Petrus in Dresden, führt in einem Beitrag der Zeitschrift „Lebendige Seelsorge“ 6/2014 dazu weiter aus: „Ähnliches ist auch heute zu erleben. Diese Erfahrungen machen wir in unserer katholischen Gemeinde in Dresden. Menschen mit keinem oder wenig kirchlichen Hintergrund kommen zu uns, sei es durch den Lebenspartner, durch Freunde oder auf Grund eigener Suche über das Internet. Auch sie kennen die dunklen Seiten in der Geschichte der Kirche, die von Zeit zu Zeit in den Medien beleuchtet werden, wie Inquisition, Religionskriege und in neuerer Zeit die Missbrauchsfälle. Auf ihrer Suche sind es häufig konkrete Menschen, die ihnen begegnen in ihrem Christsein und die ihr Interesse geweckt haben.
Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zur Frühzeit des Christentums. Glaubten früher die Menschen an andere Götter und bekehrten sich zum Gott der Juden und später zum christlichen Glauben, kommen sie heute aus einem Umfeld, wo der Glaube und die Frage nach Gott kaum eine Rolle spielen.“
Die Erfahrungen des Dresdner Pfarrers lassen ihn fragen: „Wie reden wir über Menschen, die nicht getauft sind? Denn unsere Sprache verrät unser Denken. Wir sprechen von Nichtgetauften, Ungläubigen, Konfessions – oder Religionslosen und beschreiben damit einen Mangel. Sollten wir da nicht umdenken und das Positive beschreiben? Wie wäre es mit: religiös unmusikalisch oder religiös noch unentschieden. Ist da nicht schon ein etwas anderer Blickwinkel dahinter? Begriffe wie Gottesfürchtige, Sympathisanten, Gottesfreunde, Gott- oder Sinnsucher lassen positive Aspekte erkennen. Um den Menschen in der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der persönlichen Wege gerecht zu werden, wäre es wohl sinnreich, diese Menschen selber zu fragen, wie sie sich bezeichnen würden“.

Die Zahl der Nichtgetauften ist in unserer Stadt – statistisch nachweisbar - im Zunehmen. Es gibt keine Statistik über die Zahl derer, die gerade in einer Stadt suchen und fragen nach dem Sinn des Lebens, nach einem Gott, der sie liebt. Wie begegnen wir ihnen? Eine Haltung der Offenheit und eine Atmosphäre der Freundlichkeit könnten dem Anderen zeigen: Du bist uns willkommen, wir sehen in dir ein Geschenk Gottes, von dem wir als Getaufte lernen können. Wie sprechen wir Andersdenkende an und wie hören wir ihnen zu? Jesus hat seiner Kirche den Beistand des Heiligen Geistes zugesagt. Nicht umsonst wird in den Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten in der ganzen Kirche um diesen Geist des Beistandes gebetet, damit wir als Gemeinschaft der Glaubenden und als einzelne die Zeichen der Zeit erkennen und aus dem Glauben heraus darauf antworten, meint

Ihr Pfarrer Franz Wilfinger

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