Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Schuld - Vergebung
In den letzten Paulaner Nachrichten habe ich auf die zwei Richtungen hingewiesen, in denen unser Glaube gelebt werden soll - auf die horizontale der Nächstenliebe und auf die vertikale der Gottesliebe, die unter anderem im Beten ihren Ausdruck findet. Der Einladung zum Beten widmete unser Erzbischof, Kardinal Schönborn einen Hirtenbrief, der am ersten Adventsonntag verlesen wurde. Veranlasst wurde der Brief vom "Jahr des Gebetes", zu dem Papst Franziskus nach dem Jahr des Glaubens eingeladen hat.
Vor kurzem erhielt ich eine Broschüre über die "acht Elende", herausgegeben vom Großpriorat des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens. P. Albin Scheuch OSA; Pfarrer von St. Florian Wien V, schreibt darin über das Elend: Schuld unter anderem: "In der heutigen Zeit hat der Begriff der Schuld im religiösen Raum kaum noch Aktualität, weil auch von Sünde kaum mehr die Rede ist. Bis in den Gottesdienst hinein kann das spürbar werden, wenn es mancherorts heißt, dass das Schuldbekenntnis nicht mehr vonnöten ist. ´Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken - durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld´. So betet die Kirche am Beginn der hl. Messe und lässt uns vor Gott erahnen, dass wir vor Gott immer wieder versagen und um Vergebung bitten dürfen/müssen.""
P. Albin führt in seiner Betrachtung weiter aus: "Wenn die Schuld eines der acht Elende bildet, die es zu bekämpfen gilt, dann ist zuerst die Einsicht in Schuld und Sünde unerlässlich; ein zweites die Aussprache mit Gott - vor allem im Sakrament der Buße. Solches Handeln erfordert Wahrheitswillen und Aufrichtigkeit, Annahme der Mitverantwortung für sich, aber auch für andere, die schuldig geworden sind - sie also hinzuführen zu diesem Eingeständnis. Dies führt zur Umgestaltung des Lebens in innerer und auch äußerer Freiheit vor sich und vor Gott - dann erfahren wir freimachende Vergebung.
  Dem menschlichen Bemühen in der Bitte um Vergebung kommt das Heil stiftende Handeln Gottes in Jesus Christus noch zuvor, der den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und dessen Forderungen, die uns anklagten, dadurch tilgte, dass er unseren Schuldschein an das Kreuz geheftet hat (vgl. Kol 2,14)".

Grafik: Benedict Wagner
Petrus leugnete, einer der Jünger Jesu zu sein - der Hahn erinnert ihn an das warnende Wort des Meisters ein paar Stunden vorher. Nichts wie weg von diesem Ort seines Versagens, nur ein letzter Blick zurück, da begegnet er dem Blick des Herrn. Mit seiner Schuld muss er nicht mehr davon laufen, erspürt er doch aus diesem Blick Vergebung. So kann er am See Genesareth auf die dreimalige Frage des Auferstandenen antworten: Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe.
In der Feier der Versöhnung - dem Sakrament der Buße - erfahren wir Jesus als den Freund unseres Lebens. Die Zeit vor Ostern wäre eine gute Gelegenheit, aus dem selbst verursachten Elend Schuld ´ im Vertrauen auf seine Liebe ´auszusteigen´, gestärkt durch die Lossprechungsworte des Priesters, mit mutiger Zuversicht seiner Verantwortung für sich und seine Mitmenschen besser gerecht zu werden.
Ostern hat einen doppelten Charakter - Erinnerung an Jesu Leiden, Tod und Auferstehung, - aber auch Ermutigung zum eigenen ´Auferstehen´ aus dem Elend der Schuld.
Dies wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Franz Wilfinger

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