Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Klären
Es liegt schon Jahre zurück, als mir der Wiener Stadtrat DDr. Pius Prutscher folgenden Rat gab: „Herr Pfarrer, wenn sie mit anderen diskutieren, dann suchen sie möglichst bald zu klären, ob unter den verwendeten Worten und Begriffen alle dasselbe verstehen. Sie reden sonst aneinander vorbei und kommen zu keinem befriedigenden Ergebnis“. Beim Hören mancher wohl tönender Sager kommt die Erinnerung an diesen Rat besonders häufig.
Heute gehört es zum guten Ton, von Zusammenarbeit, verstärkter Zusammenarbeit, mehr Miteinander zu reden, im kirchlichen wie gesellschaftlichen Bereich. Wer könnte etwas dagegen haben, wer wagt dagegen zu reden? Fragt man dann unschuldig näher nach, wie denn das aussehen könnte, macht man nicht selten die Entdeckung: Dem Schwärmer für mehr Zusammenarbeit geht es gar nicht so sehr um das „zusammen“ sondern in erster Linie um den Ausbau der eigenen Vormacht oder den seiner Gruppe. Der Ruf nach mehr Zusammenarbeit wäre wohl eher als der versteckte Schrei nach Erweiterung des eigenen Macht und Einflussbereiches zu sehen.

Ein „schillernder“ Begriff ist das Wort Dialog. Was da nicht alles darunter verstanden werden kann – vom freundlichen Gespräch mit einem Nichteuropäer über das Wetter, über die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten bis hin zu Fragen des Glaubens und der Religion. Dialog scheint ein wenigstens vordergründiges Harmoniebedürfnis zu stillen. Die Harmonie hält umso länger an, je weniger tiefere Unterschiede oder Gegensätze berührt werden, verbindlich unverbindlich bleiben das Motto. Wer ehrlich auf die Unterschiede, Gegensätze im Verständnis des Menschen, seiner Freiheit, seinen Rechten und Pflichten, vom Verhältnis zu seinem Gott angesprochen wird, wird wohl eines lernen müssen – mit dem anderen achtungsvoll zu leben, trotz dieser Gegensätze. Dialog setzt Willen zur ganzen Wahrheit voraus, Geschmeidigkeit deckt sich nicht immer mit Wahrheit.
Bleiben wir im innerkirchlichen Bereich, wo heute mehr oder minder stark auf die Volkskirche von gestern hingewiesen wird, im sachte bedauernden, wie auch im herablassend näselnden Ton. Heute ist die Kirche der Entschiedenen in Vieler Munde. Mit ausgewählten Vollkommenen, 100% igen unterwegs zu sein, mag verlockender sein, als mit einer Gruppe, wo es Abstufungen im Können und Wollen, an Kraft zum Tragen und Ertragen, an Erkenntnis und Einsicht gibt. Wenn betont wird, dass die Frohbotschaft allen Menschen gilt, dann scheint mir das “alle „ weniger in der Gruppe der Auserwählten vorhanden zu sein als vielmehr in der zweiten Gruppe. Warum ich das betone?
In einer, in unserer Pfarre, sehe ich das „Alle“ sich widerspiegeln. Hier soll die Kirche im Volk verwurzelt sein und bleiben. Das hängt nicht zuletzt vom Mittragen und Mitarbeit vieler in der Gemeinde ab. Ich hoffe, dass Sie in der Urlaubszeit auch dafür Kräfte sammeln.
  Einen erholsamen Urlaub wünscht Ihnen und allen, die mit Ihnen sind
Ihr Pfarrer Franz Wilfinger

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