Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Einfach beten
In den letzten Paulaner Nachrichten habe ich auf die zwei Richtungen hingewiesen, in denen unser Glaube gelebt werden soll - auf die horizontale der Nächstenliebe und auf die vertikale der Gottesliebe, die unter anderem im Beten ihren Ausdruck findet. Der Einladung zum Beten widmete unser Erzbischof, Kardinal Schönborn einen Hirtenbrief, der am ersten Adventsonntag verlesen wurde. Veranlasst wurde der Brief vom "Jahr des Gebetes", zu dem Papst Franziskus nach dem Jahr des Glaubens eingeladen hat.
"Einfach beten": Unter diesem Motto lädt unser Erzbischof zu einem "Jahr des Betens" ein. Er betont, dass es ihm mit dieser Einladung nicht darum geht, dass noch mehr Aktivitäten geplant und gesetzt werden sollen. Ganz im Gegenteil: nicht mehr, sondern eher weniger tun! Nicht neue Aktion, sondern mehr Kontemplation. Es fehle uns nicht am Tun und Unternehmen. Es mangle uns eher an Zeit zur Stille und zum Gebet, an Sammlung und Innerlichkeit.
Ich bin froh, dass wir unsere Kirche tagsüber offen halten können. Die Besucher kommen aus unterschiedlichen Gründen. Nicht wenige, weil sie hier über kurze oder längere Zeit zu einem stillen Gebet verweilen. Das beginnt schon in der Früh kurz nach dem Aufsperren der Seitentore, setzt sich tagsüber fort bis zum Abend, wo manche nach dem Arbeitstag noch einen "Sprung" in die Kirche machen zu einem Vater unser, wie mir manche knapp vor dem Schließen noch zuflüstern. Eine Beterin hat mir dazu vor einiger Zeit eine gute Charakteristik unserer Kirche gegeben: Herr Pfarrer, in unserer Kirche merkt man, sie ist ´durchbetet´. Wir können froh sein, dass unser Gott uns so nahe ist!
  Eine Erfahrung haben wir wohl schon alle gemacht. Unser Gebet ist eine Antwort, die wir Gott geben oder verweigern können. Wir müssen es wollen und darum kämpfen, so schreibt unser Herr Kardinal im Hirtenbrief. Wie schwer tun wir uns oft, Zeit für das Gebet zu finden. Und wenn wir sie uns nehmen, dann erleben wir die Not der Zerstreuung.
Für die heilige Teresa von Avila ist Beten nichts anderes "als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft und gern zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir wissen, dass er uns liebt". Wir brauchen Vorbilder des Betens. Damit sind keineswegs zuerst Heilige gemeint.
Übernehmen nicht Eltern und Paten bei der Taufe diese Verpflichtung? Stehen nicht die Mitgläubigen im Gebet füreinander, für unsere Nachbarn, für die Gesellschaft, für die Notleidenden und Suchenden auch in einer Form der Mitverantwortung?
Beten ist immer auch Stellvertretung, Eintreten für andere bei Gott. Im Gebet verwirklichen wir unsere Sendung, unsere Mission, Menschen für Christus zu gewinnen, indem wir sie ihm und seiner Gnade anvertrauen.
Also: Einfach beten, meint Ihr Pfarrer Franz Wilfinger

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