Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Nachrichtenblatt der Pfarrgemeinde Wieden-Paulaner
Juil/August 2017
Am Boden bleiben -
damit kann Unterschiedliches umschrieben werden, wie etwa ein Urlaubsziel ohne Inanspruchnahme einer Fluglinie erreichen, Abstand nehmen von hochfliegenden Plänen oder Vorhaben, aber es kann auch die Aufforderung nett umschrieben werden: reg dich nicht auf, reg dich wieder ab, ärgere dich nicht – es ist eben so, nimm´s hin.
  Für die beiden Sommermonate, für viele die Zeit des Urlaubs und der Entspannung, schienen mir ein paar Anregungen zur Gelassenheit, zum Gleichmut, durchaus angebracht. Verstehen wir das Wort: Am Boden bleiben als Einladung oder Mahnung, gelassen zu bleiben oder gelassener zu werden.

Im täglichen Umgang ist die Gelassenheit gefragt, wenn es gilt, Lästige oder Lästiges zu ertragen.

Im Brief an die Kolosser lesen wir: Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander (Kol. 3,12), im Brief an die Epheser rät Paulus: Ertragt einander in Liebe (Eph 4,1-3).

Manches scheint bei den Mitmenschen (und uns selbst) unveränderlich oder kaum änderbar zu sein, weil wir so geprägt sind durch unsere Lebensgeschichte, die eigenen Anlagen und eingespielten Gewohnheiten.
Papst Johannes XXIII. formuliert den Rat zur Gelassenheit mit den Worten: „Alles sehen, vieles über-sehen!“
Beim Propheten Iesaia (Jes 46,4) wird die göttliche Gelassenheit so ausgedrückt: „Bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan, und ich werde euch weiter tragen [ertragen?], schleppen und erretten“ Dem amerikanischen evangelischen Theologen Karl Niebuhr (deutscher Herkunft) [1892 -1971] wird folgende Bitte um Gelassenheit zugeschrieben:
  „Gib mir, Gott, die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
  Beim ersten Lesen stimmte ich diesen Worten zu. Annehmen, Mut zum Verändern, richtiges und rechtzeitiges Erkennen des Geforderten leuchteten mir ein. Beim längeren Nachdenken fiel mir auf, das zwei Worte fehlten: und zwar: … die ich allein nicht ändern kann. Könnte ich es aber nicht mit Hilfe Gottes oder meiner Mitmenschen, wenn ich darum bitte? Das fehlende zweite Wort … die ich noch nicht ändern kann. Könnte ich es aber, wenn ich mich um Unterstützung (bei Gott und den Mitmenschen) umsehe?
  Getragen vom persönlichen Bemühen, gestärkt und gestützt durch die Verbindung mit Gott und der Gemeinschaft können wir am Boden bleiben und Abheben verbinden.
  meint Ihr Pfarrvikar Franz Wilfinger


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