Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Rundbrief 1/2008 Wie schnell doch die Zeit vergeht
Diesen Ausruf kennt jede und jeder. Wir haben im Advent auf Weihnachten gewartet und uns auf das Fest der Ankunft des Herrn vorbereitet. Der Advent ist immer zu kurz für die Vorbereitungen, die wir uns vornehmen. Dann kam Weihnachten, auch wenn nicht alle Karten geschrieben, alle Geschenke gekauft und verpackt, die ganze Wohnung geputzt war. Eine Woche später haben wir das Jahr 2007 mit einem Dankgottesdienst abgeschlossen und mit Maria das neue Jahr 2008 begonnen. Jetzt wo ich das schreibe, nähert sich der kurze Fasching seinem Ende. Die Fastenzeit steht vor uns und will unseren Blick auf Ostern lenken. Wie schnell doch die Zeit vergeht!
Aber was ist in dieser Zeit nicht alles geschehen? Mit wievielen Menschen habe ich gesprochen? Wieviele Stunden habe ich mit Gebet und Gottesdienst verbracht? Wieviele mit Arbeit und Freizeit? 1 Jahr hat 365 Tage, 8760 Stunden, 525.600 Minuten, 31.536.000 Sekunden. Schon allein diese Zahlen könnten mich schwindlig machen. Wenn ich das dann noch auf meine bisherige Lebenszeit umlege, dann wird es ganz kompliziert. Wenn ich dann überlege, wieviel Zeit mir noch bleibt, dann kann schon etwas wie Depression aufkommen.

Beim Jännertreffen in Wien haben wir uns schon ein bisschen mit der "Zeit" beschäftigt. Wir haben Redewendungen gesucht und gefunden: Kommt Zeit, kommt Rat! Zeit ist Geld! Alles zu seiner Zeit! Lass dir Zeit! Nimm dir Zeit! Keine Zeit! Mir ist zeitlang! Zeit-gerecht! Wartezeit, Zeitverlust, Zeiteinteilung, Zeitplanung. Meine Zeit steht in Gottes Händen.

Mit dem Beter des Psalm 139 (GL 755) dankten wir Gott für die Begleitung in unserem Leben - meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war (V 16). Mit dem Lied Meine Zeit steht in Gottes Händen" festigten wir unser Vertrauen auf Gott.

Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird morgen sein? Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater du wirst bei mir sein.
Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb nehmen mich gefangen, jagen mich. Herr, ich rufe: Komm und mach mich frei! Führe du mich Schrittfür Schritt.
Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn. Hilflos seh ich, wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin, und ich frag, wo sie geblieben sind. (Peter Strauch) .

Der Text von Elli Michler Jch wünsche dir Zeit" führte uns dazu, selbst zu überlegen, wofür ich meine Zeit verwende und wofür ich sie verwenden möchte. Beeindruckend, die Einstellung der ältesten Kolleginnen mit 83 und 87 Jahren. Die eine erzählte von ihren Besuchen in Altersheimen und Krankenhäusern. Mindestens einen manchmal auch zwei oder drei Besuche pro Woche plant sie ein. "Ich muss hinaus, sonst werde ich trübsinnig. So mache ich Freude und erlebe sie auch." Die andere liest jeden Tag am Vormittag die Zeitung, kauft ein und kocht für sich selbst. Der Abend gehört dann dem Gebet und dem Gottesdienst.
  Beide haben ihre Tage auch in der Pension geplant. Aber wenn ich anrufe, dass eine Kollegin gestorben ist, sind sie es, die sich auch Zeit zum Begräbnis nehmen.
Objektiv haben wir alle gleich viel Zeit. In begrenztem Maß kann ich entscheiden, womit ich meine Zeit fülle, wofür und für wen ich sie verwende. Das hängt von meinen Lebensumständen ab, aber auch von dem, was mir wichtig ist, was meinem Leben Sinn gibt.
Es gibt Menschen, die haben immer Zeit; andere nie. Die Aussage ich habe "keine Zeit" müsste ich ergänzen - dafür habe ich keine Zeit. Was auch immer das ist, wofür ich keine Zeit habe.
Ich selbst habe schon einige Male an mir gemerkt, dass ich dann wenn ich mir Zeit genommen habe, für etwas nicht Eingeplantes, das mir aber wichtig war, das andere umso schneller von der Hand ging. Manchmal aber merke ich auch, wie mir die Zeit aus den Händen gleitet und am Abend frage ich mich dann, was ich mit den Stunden und Minuten gemacht habe. Diese Erfahrung ist nicht auf unsere Zeit beschränkt. Künstler der Barockzeit haben das auch für alle sichtbar gemacht. Wer an der Karlskirche vorbei geht sollte einen Blick auf die Uhr über den Bogendurchgängen werfen.
Am Aschermittwoch wir auf die Bedeutung der Zeit hingewiesen: Jetzt ist sie da die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung. (Les 2 Kor, 6,2) Nach dem Markusevangelium beginnt Jesus seine Lehrtätigkeit mit folgender Aussage: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium. (Mk 1,15)
Jeden Tag ist dieses jetzt" und "heute". Niemand weiß wieviel Zeit sie oder er noch hat. In der eigenen Verantwortung liegt es dieses "heute" und "jetzt" zu gestalten, so dass sich mein Leben mit Sinn füllt. Vielleicht ist die Fastenzeit die richtige Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen und Konsequenzen zu ziehen.
  Susanne Kopeszki (RB der ED Wien 1/08)