Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Rundbrief 4/2020 Wertschätzung für meinen Beruf
Mitte Oktober gab es im Anschluss an die Sitzung der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen einen Studientag mit dem Thema Wertschätzung. Der Referent war Tobias Giglmayr ist Regens des Salzburger Priesterseminars.
Bei der Vorstellrunde lud er uns ein, einen wertschätzenden Blick auf unser Leben und den Weg zum Beruf der Pfarrhaushälterin zu machen. Die Erzählungen machten die vielfältigen Ausgangspunkte und oft verschlungenen Wege deutlich, in denen schon die Erfahrung zum Ausdruck kam, dass jede/r von Gott geliebt und wertgeschätzt ist.
Auf diesen Punkt ging er dann besonders ein. Gott schaut jeden Menschen wertschätzend an; er braucht mich, er will mich brauchen, so wie ich bin, an dem Platz, wo ich bin. In einem Dreierschritt fasste er es so zusammen:
!! Gott schaut auf uns, geht mit uns, rechnet mit uns !!
Das haben wir uns bei der Leitungssitzung als Thema für den nächsten Rundbrief gewählt.
Für viele von uns ist der Glaube eine tragende Kraft. Menschen lernen durch den Glauben ihr Leben wertschätzend anzunehmen. Jede Behinderung ist dann eine Aufgabe für diesen Menschen. Die Verbindung mit Gott macht uns aber auch feinfühliger für die Menschen, oder kann/soll uns aufmerksamer und achtsamer machen.
Für uns alle ist soziale Anerkennung, Angenommensein, überlebenswichtig. Blicke, Berührungen und Ansprache lassen ein Kind erkennen, dass es gesehen wird, dass es dazugehört. Wie in einem Spiegel erkennt es sich selbst und lernt so zu handeln, dass es angenommen wird.
Auch für uns als Erwachsene sind Blicke, ein Lächeln, ein Gruß, freundliche Worte, ein Lob, eine Umarmung, …. Streicheleinheiten für das Selbstwertgefühl. Wir brauchen sie um seelisch gesund, glücklich und leistungsfähig zu werden und zu bleiben.
Jedoch haben wir ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Eine/r ist selbstbewusst und braucht weniger von anderen und kann damit einsam werden. Andere brauchen mehr Anerkennung, die sie auch anspornt. Das kann aber auch abhängig machen von der Meinung anderer.
  Auf diesem Hintergrund höre ich dann die Aussagen über die geringe Wertschätzung unseres Berufes mit anderen Ohren. Ich frage mich dann – wie sehe ich selbst diesen Beruf, diese Berufung? Schätze ich das, was ich für die Menschen in meiner Umgebung tue (Familie, Freunde, Priester, Gemeinde, Kirche, Berufsgemeinschaft, …) selbst als wertvoll und wichtig an? Oder bin ich davon abhängig, dass mir das immer wieder gesagt wird?
  Sehr oft wird vom Beruf auf den Wert eines Menschen geschlossen. Ein weniger geachteter Beruf, ein Dienst, kann dann zur Abwertung eines Menschen führen. Ich selbst habe das in meiner Anfangszeit als Pfarrhaushälterin erlebt und getestet. Bei der Frage nach meinem Beruf - ich war Lehrerin und gleichzeitig auch Pfarrhaushälterin – habe ich bei meiner Antwort mit Vergnügen die Gesichtsveränderung bei den Fragenden beobachtet.
  Es tut gut, hin und wieder, die Wertschätzung unseres Dienstes ausgedrückt zu bekommen und zu erleben. Das ist auch der Grund warum wir jedes Jahr die Dienstjubilarinnen zu einer Feier einladen. Aber im alltäglichen Leben sollten wir mit Selbstbewusstsein und der Gewissheit leben, dass wir an dem Ort, wo wir leben die Aufgabe erfüllen können, für die uns Gott berufen hat.
  Susanne Kopeszki (RB der BG/PHH der ED Wien 4/2020)