Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Rundbrief 1/2012 Schritte

Im alltäglichen Leben verwenden wir einige Wortverbindungen mit Schritt: schrittweise, Schrittfolge, Schrittkombination, Schrittlänge, Schrittfolge, Schrittfehler, Schritttempo, Schrittgeschwindigkeit, (Herz)Schrittmacher, Fortschritt(lich), Rückschritt, Schritt für Schritt,....

Was ist genau ein Schritt, was passiert, wenn ich einen Schritt mache? Im Normalfall habe ich festen Stand, einen Standpunkt von dem aus ich einen Schritt setzen kann. Dazu wird das Gewicht auf einen Fuß verlagert, der andere verlässt den Boden, wird angehoben und ein Stück weiter wieder aufgesetzt. Wie weit, das hängt vom Alter, der Größe, der Gesundheit ab. Dabei wird in der Bewegung das Gleichgewicht gehalten. Das haben wir von Kindheit an mit vielen Fehlschlägen gelernt. Nach Erkrankungen müssen wir das manchmal erst mühsam wieder lernen .
Der Schritt - mein Schritt - ist etwas sehr persönliches, so persönlich wie ein Fingerabdruck, wie die Stimme. Ich erkenne Menschen auch von hinten und in größerer Entfernung an ihrem Schritt. Manchmal kann ich auch erkennen wer kommt, am Klang des Schritts im Stiegenhaus oder in der Kirche.
Beim Gehen nebeneinander passen wir - absichtlich oder unabsichtlich - unseren Schritt an den oder die anderen an. Wir gehen im gleichen Schritt. Wichtig ist das besonders, wenn jemand sich bei mir einhängt, wenn ich den Schritt des anderen sichern oder unterstützen soll. Mir fällt es dann gar nicht leicht, meine Riesenschritte und mein Tempo an die kleinen und langsamen anzupassen. Das erfordert ein großes Maß an Konzentration, während ich sonst bei meinen Schritten gar nicht daran denken muss, weil es automatisch geht.
Wann hat Jesus seine ersten Schritte getan? Haben sich seine Eltern und andere darüber gefreut und darauf gewartet? Wie war das dann mit den Schritten in die Selbständigkeit - sein Bleiben in Jerusalem als 12 Jähriger.
Meine Eltern habe sogar aufgeschrieben, in welchem Alter ich die ersten Schritte gemacht habe, zuerst an der Hand und dann allein. Daraus ist die Freude zu erkennen, die diese Schritte bei ihnen hervorgerufen haben. Allerdings wissen Eltern auch, dass damit auch viele neue Gefahren auf die Kinder warten, vor denen sie sie dann gar nicht bewahren können.
Bei den Schritten in die Selbständigkeit ist es dann nicht immer reine Freude, besonders wenn die Kinder nicht die Erwartungen der Eltern erfüllen können oder wollen. Es ist wichtig die Schritte zu beobachten und mitzuverfolgen, aber auch Fehlschritte zuzulassen
Auf jeden Schritt folgt ein neuer, muss ein neuer folgen. Schritt für Schritt entsteht der Weg, das Leben. Dazu kann auch manchmal ein Schritt zurück gehören, wenn es nicht mehr weitergeht, wenn ich den Überblick verloren habe.
Wie gut tut es dann, wenn jemand neben mir geht, der mir Mut macht, meine Entscheidung zum nächsten Schritt begleitet und als Sicherheit dableibt. Mit jedem Schritt wächst das Vertrauen an die eigenen Fähigkeiten, und die Freude am Gelingen macht fähig die Schrittgröße oder das Tempo zu verändern oder neue Schrittkombinationen auszuprobieren.
Diese Überlegungen laden ein, die eigenen Erfahrungen zu betrachten und selbst weiter zu denken. In jedem Lebensalter sind wir gefordert den nächsten Schritt zu tun. Dieser ist dann wieder Ausgangspunkt für den nächsten. Einmal auch für den letzten Schritt. Ein vorletzter kann sein, wenn es nicht mehr möglich ist alleine zu leben. Nehme ich Betreuung an, gehe ich in ein Heim?
Jeder Schritt ist das Verlassen eines Standpunkts und das Gewinnen eines neuen.
* Ich wünsche mir und uns die Freude am nächsten Schritt, und das Wissen, dass die zurückgelegten Schritte Erfahrungen gebracht haben, ohne die ich heute nicht so wäre, wie ich bin.
* Ich wünsche mir und uns Menschen, die auch meine weiteren Schritte mit Wohlwollen beobachten und begleiten.
* Ich wünsche mir und uns Dankbarkeit für die Erfahrungen der Begleitung und die Kraft, andere bei ihren Schritten zu ermutigen, zu begleiten und zu stützen.
  Susanne Kopeszki (RB der ED Wien 1/2012)