Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Rundbrief 2/2015 scheitern - durchkreuzen

Im letzten Rundbrief haben wir uns über die Freundschaft Gedanken gemacht. Aber wir alle wissen, dass Freundschaften und andere Beziehungen in Brüche gehen können. Wir erleben Misserfolge, müssen zur Kenntnis nehmen, dass eigene Lebensplanungen aus vielfältigen Gründen nicht möglich sind.

Wir scheitern, weil wir von uns und anderen manchmal zu viel erwarten, wir überfordern uns und andere, wir wollen alles perfekt machen, können Fehler nicht zugeben, fürchten uns vor Spott, Abwertung und Verachtung, haben Angst etwas zu versäumen.
Scheitern empfinden wir als negativ, als Minus.
Könnte scheitern und misslingen nicht auch eine Chance sein? Nicht immer ist der erste Gedanke, der erste Weg auch der beste. Misslingen kann uns auch helfen, zu überdenken, was uns wichtig ist, welche Ziele wir anstreben wollen. Wir könnten aus Fehlern lernen, können Ausdauer und Geduld lernen. Können erkennen, dass auch Mangelhaftes, nicht-Hundertprozentiges einen Sinn hat. Änderungswille und Willensstärke werden trainiert.
Ein Clown zeigt uns vor, dass Scheitern mit Humor genommen werden kann, dass es gilt immer wieder aufzustehen und neue Wege zu probieren.
Bibel – Buch des Scheiterns Gottes
Die gesamte Bibel angefangen von der Schöpfung bis zu Jesus, zeigt auf, dass Gott das Wohl, das Heil des Menschen will. Doch die Menschen wenden sich gegen Gott, wenden sich von ihm ab, kümmern sich nicht um Gott, kehren ihm den Rücken zu.
Vielmehr gab ich ihnen folgendes Gebot: Hört auf meine Stimme, dann will ich euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein. Geht in allem den Weg, den ich euch befehle, damit es euch gut geht. Sie aber hörten nicht und neigten mir ihr Ohr nicht zu, sondern folgten den Eingebungen und Trieben ihres bösen Herzens. Sie zeigten mir den Rücken nicht das Gesicht. (Jer 7,23-24).
Gott scheitert mit seinem Plan zum Heil des Menschen. Immer wieder machen ihm die Menschen einen „Strich durch die Rechnung“. Doch Gott gibt nicht auf und sucht und findet neue Wege zu uns Menschen. Das zeigt z.B. die Paradiesgeschichte dadurch, dass Gott nach dem Sündenfall den Menschen Röcke aus Fellen macht (Gen 3, 21) - sie selber hatten Blätter zusammengeheftet (Gen 3,7). Und in Gen 3, 15 steht schon das sogenannte Protoevangelium, das als Ankündigung des Erlösers gelesen wird.
Das ganze Leben Jesu ist ein „Scheitern“. Er will den Menschen die Liebe des Vaters aufzeigen, er wird abgelehnt und diese Ablehnung führt bis zum Tod. Das Gleichnis vom barmherzigen Vater zeigt das sehr deutlich auf. Nicht nur der jüngere Sohn wir erwartet und ohne Vorwürfe wieder aufgenommen, auch zum älteren Sohn geht der Vater hinaus und redet mit ihm. Offen bleibt allerdings, wie der sich letztendlich verhält. Ob er hineingeht und mitfeiert, oder draußen bleibt.
Der Vater lässt auch Jesus nicht im Tod – Gott durchkreuzt die Ablehnung, den Untergang, das Sterben mit seiner Liebe. Durch das Kreuz wird aus dem Minus des Scheiterns ein Plus. Das menschliche Scheitern ist umfangen von einer größeren Zukunft – dem ewigen Leben, das bedeutet mit Gott zu leben. Und dieses beginnt schon bei der Taufe und endet nicht mit dem Sterben.
So lasst uns darum beten, dass Gott uns gibt, was ich brauche und nicht, was ich mir wünsche.
  Susanne Kopeszki (RB der BG/PHH der ED Wien 2/2015)