Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Rundbrief 3/2009 hören
hören
Wir werden nicht nur von Bildern überschwemmt sondern auch von Tönen und Klängen. Beim Einkaufen läuft im Hintergrund Musik und Werbung, die uns zum Kauf bestimmter Produkte anregen will. Im Bus oder in der Bahn werden wir unfreiwillig Zeuge von oft sehr intimen Gesprächen, von Streitigkeiten oder auch nur Banalitäten. Viele - vor allem junge Leute sieht man mit "Stöpseln" im Ohr, die sich mit Musik "zudröhnen". Wenn ich daneben stehe, dann spüre ich die tiefen Töne und den Rhythmus der Musik.
Aber ich brauche gar nicht an andere denken. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich das Radio einschalte und gar nicht richtig zuhören kann oder will, sondern nur damit sich in der Wohnung oder im Haus etwas tut.

Anders als beim Sehen kann ich nicht bewusst meine Ohren schließen. Sie bleiben immer auf Empfang - selbst im Schlaf.


Grafik: Hörender, Toni Zenz

Obwohl ich also immer höre, höre ich doch nicht immer alles. Ich kann so beschäftigt sein mit mir oder anderen Dingen, dass ich manches nicht höre. Ich kann aber auch bewusst weghören, oder etwas überhören wollen. Die Frage " sitzt du auf den Ohren?" oder "hörst du mir überhaupt zu?" hat sicher jede und jeder von uns schon gehört. Daraus ist zu erkennen, dass es für ein gutes Hören mehr braucht als ein funktionierendes Ohr, das aber ist Voraussetzung.

Schon beim Kleinkind kann man bemerken, wie es auf Geräusche und Stimmen reagiert. Es erschrickt, wenn eine Tür zufällt, dreht den Kopf nach Geräuschen der Umgebung, lächelt bei der Stimme von Personen aus der Familie, beginnt bei lauten Worten zu weinen, .... u.s.w. Wenn ein Kind hört, dann beginnt es auch mit dem Klang der eigenen Stimme zu spielen, es plappert alles nach. So entsteht Beziehung und Gemeinschaft. Wer nicht hört, also taub ist, wird mit der Zeit auch stumm oder lernt nur mit Mühe zu sprechen.

Bei Seminaren zum Umgang mit Menschen gehört fast immer auch ein Teil, wo es ums aufeinander-Hören, ums Zuhören geht. Dabei wird das aktive Zuhören gelehrt und geübt. Der Zuhörer hat nur die Aufgabe, das eben Gehörte zu wiederholen. Wer das einmal probiert hat, weiß wie anstrengend das ist. Aber wer erzählt, fühlt sich geschätzt und verstanden.
hören - reden
Beides gehört zusammen. Im guten Fall nacheinander, abwechselnd und nicht gleichzeitig. Obwohl auch das immer wieder vorkommt. Wer hört, hat ein Gegenüber, das redet, das etwas sagt, etwas (von mir) will.
Wir können viele Geräusche und Klänge unterscheiden, aber am besten hören wir die Schallwellen, die die menschliche Stimme hervorbringt. Wenn im Alter die Schwerhörigkeit zunimmt und das Verstehen von Gesprochenem abnimmt, ist das für viele sehr belastend, weil es zur Vereinsamung beiträgt. Es gibt zwar heutzutage viele Hilfen - Hörgeräte werden in der Werbung angepriesen und die Gebärdensprache im Fernsehen und selbst im Parlament als Ergänzung eingesetzt.
Selbst bei Kranken und Sterbenden ermuntern die Ärzte sie anzureden, ihnen etwas zu erzählen. Manche, die wieder aus der Bewusstlosigkeit auftauchen, wissen, was um sie herum gesprochen wurde. Das kann Angst machen, aber andererseits auch eine Beruhigung sein, dass noch eine Verbindung besteht und ein Kontakt möglich ist.
hören - horchen - lauschen -schweigen
Wer hört, ist achtsam, gespannt und voller Erwartung. Ganz ausgerichtet auf den der spricht, auf das was zu hören ist, auch wenn es ganz leise und von vielen anderen Geräuschen überdeckt ist. Jemand der so zu hören versucht ist "ganz Ohr", "er spitzt seine Ohren". Wer zuhört schweigt.
Die Haltung des Schweigens ist notwendig beim Gespräch unter Menschen, aber auch gegenüber Gott. In einem neuen Lied ist das so ausgedrückt: Schweigen möchte ich Herr, und auf dich warten. Schweigen möchte ich, dass ich deine Stimme unter vielen Stimmen hör´. Schweigen möchte ich, und darüber staunen, dass Du ein Wort für mich hast
Glaube kommt vom Hören
Für Paulus ist das ganz klar. Im Römerbrief heißt es: "Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. (Er zitiert hier einen Vers aus dem 5. Buch Mose Dtn 30,14). Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen"; (Röm 10,8). Im Vers 14 schreibt er dann weiter: "Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben?" Petrus und Johannes geben ihrer Überzeugung mit den Worten Ausdruck: "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gehört haben." (Apg 4,20).
Wir bezeichnen die Bibel als Gottes Wort und Jesus selbst als das Wort, das Fleisch geworden ist. Die Jünger empfinden das auch so, wenn sie zu Jesus sagen: "Du hast Worte des ewigen Lebens" (Joh 6,68). Und bei Lukas nennt Jesus die seine Mutter und seine Brüder, die das Wort Gottes hören und es tun. (Lk 8,21).
Besonders die Beter der Psalmen sind überzeugt, dass auch Gott ein Ohr für uns Menschen hat, dass er die Sorgen und Anliegen der Menschen hört und erhör.
  "Du, der du das Ohr gemacht hast, solltest nicht hören?" Ps 94,7 "Ich rufe dich an, denn du erhörst mich, o Gott! Wende dein Ohr mir zu, höre meine Bitte!" Ps 17,6.

Es gibt noch eine Unzahl von Stellen über das Hören.

Meine Lieblingsstelle zu diesem Thema steht am Beginn des dritten Lieds vom Gottesknecht. Jes 50,4-5 "Gott der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück."

Mir gefällt das Bild, dass das Ohr extra aufgeweckt werden muss, damit es auf Gott hört. Die Aufgabe, die der Gottesknecht hat ist zu hören und zu verkünden. Scheinbar auch damals schon keine angenehme und leichte Aufgabe
Sind nicht auch in meiner Umgebung viele Menschen müde und warten auf ein aufmunterndes Wort? Damit ich meine Berufung als Jüngerin leben kann, weckt Gott jeden Morgen auch mein Ohr. Ich soll auf ihn und seine Botschaft hören und dann andere stärken, ermuntern und ermutigen. Eine schöne und befriedigende, aber keine leichte Aufgabe.
Jesus hat seine Jünger ausgesandt, mit den Fähigkeiten, die sie hatten, ohne Theologiestudium. Das was sie von ihm gehört und verstanden hatten, sollten sie weitersagen. Er hat ihnen aber auch gesagt, dass nicht alle auf sie hören werden. Wenn man euch nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von den Füßen. Ihre Aufgabe ist nicht erst dann erfüllt, wenn alle gläubig geworden sind.

Grafik: Kopeszki
Dieses Lied fasst die Bitte und den Dank zusammen: "Herr gib uns Mut zum Hören auf das, was Du uns sagst. Wir danken Dir, dass Du es mit uns wagst."
  Susanne Kopeszki (RB der ED Wien 3/09)