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Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki |
| Rundbrief 3/2025 | Gnade - gnädig |
| In Wien ist es mir in meiner Anfangszeit im Pfarrhaus in manchen Geschäften noch passiert, dass ich mit „gnädige Frau“ oder „g´ne Frau“ angesprochen wurde. Was für mich sehr ungewohnt und auch nicht ganz angenehm war. | |
| Neben dieser Erinnerung ist mir bei den Vorüberlegungen zum Thema dieses Rundbriefs aufgefallen wie oft das Wort Gnade in Gebeten, besonders in der hl. Messe und in den Psalmen, vorkommt. In den Psalmen wird festgestellt, dass „Gott gnädig war oder ist“ und er wird gebeten gnädig zu sein. | |
| Von
Jesus wird gesagt, dass er Worte der Gnade verkündet (Lk 4,22) Der Engel begrüßt Maria – sei gegrüßt du Begnadete, (wir beten: du bist voll der Gnade) (Lk 1,28). Von Johannes dem Täufer heißt es: – das Kind wuchs heran … erfüllt mit Weisheit und Gottes Gnade“ (Lk 2,40) |
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Daraufhin habe ich im Internet-Lexikon
Wikipedia nachgelesen und folgendes gefunden. |
| In der Bibel wird
nie erklärt, was Gnade ist, sondern es wird beschrieben, woher sie kommt,
wie sie wirkt, und was sie bewirken soll. Immer wird sie auf Gott und Christus
zurückgeführt: die Gnade Gottes ist erschienen uns zu retten, sie erzieht uns zu einem Leben aus dem Glauben, die Gnade des Glaubens ist uns in der Taufe geschenkt, wir haben sie empfangen, sie soll in uns fruchtbar bleiben, sie soll uns stärken, damit wir frei bleiben von Schuld, wir sollen sie treu bewahren, sie soll in uns wachsen, dass wir stets vor Gottes Angesicht leben, |
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| Besonders bei Paulus kommt sie immer wieder in der Gruß- und Segensformel vor. „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“ (Eph 1,2 u. andere) oder „die Gnade Jesu Christi des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit euch allen“ (2 Kor 13,13) | |
| Paulus führt sein Leben und seine Berufung auf die Gnade Gottes zurück: „Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. … nicht ich, sondern die Gnade Gottes wirkt zusammen mit mir.“ (1Kor 15,10) Wenn wir ehrlich sind, kann das nicht jede und jeder von uns sagen? | |
| In der Anfechtung bekommt Paulus gesagt: "Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet." (2 Kor 12,9) Das ist trostvoll für mich. Denn ich weiß, dass ich nicht fehlerfrei bin und immer wieder hinter meiner Berufung zurück bleibe. | |
| An seinen Schüler Timotheus schreibt er: "Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist!" (2 Tim 1,6) Das gilt nicht nur für einen, sondern für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht nur zur Zeit des Paulus, sondern auch hier und heute. Also auch mir und jeder Pfarrhaushälterin. | |
| Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt. (2 Kor 6,1) „Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“ (1 Petr 4,10) In diesen Stellen kommt für mich zum Ausdruck, dass Gnade etwas ist, das jedem Menschen geschenkt ist, dass damit aber eine Aufgabe verbunden ist. Ein Zeugnis zu geben und eine Verkündigung. | |
| Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen. (Apg 4,33) Besonders deutlich kommt das bei den Gaben des Hl. Geistes zum Ausdruck: Im Brief an die Korinther schreibt Paulus von den Gnadengaben des Hl. Geistes: Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. (1 Kor 12,4) Dann werden viele Gaben aufgezählt. Im Vers 11 heißt es dann: Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will. | |
| Im Zusammenhang mit den Gaben des Hl. Geistes sprechen wir von „Charismen“. Hier klingt das griechische Wort „charis“ mit, das mit Gnade übersetzt wird. | |
| Das lateinische Wort „Gratia“ kennen wir aus dem lateinischen „Gegrüßet seist du, Maria“. Dort heißt es „gratia plena – dominus tecum“ (voll der Gnade, der Herr ist mit dir). Mich erinnert dieses Wort an unser „gratis“. Ich bekomme etwas geschenkt, ohne dafür etwas leisten zu müssen, umsonst. | |
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Wenn ich sage „alles ist Gnade“ – wie ist das dann mit negativen Erfahrungen, mit Misslingen, mit den Schattenseiten des Lebens, mit Schmerzen, mit Leid und Leiden ...? Kann ich dann auch noch sagen es ist eine Gnade, das so zu erleben? |
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| Dazu ist mir ein
Gedanke von Papst Johannes XXIII. In die Hände gefallen: "Das Gefühl meiner Unzulänglichkeit, das mich nie verlässt ... ist eine große Gnade des Herrn: sie lässt mich einfach bleiben und erspart es mir, lächerlich zu werden." Johannes XXIII |
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| In der Bibel gibt es viele Texte, an denen abzulesen ist, dass Gott seinen Plan mit den Menschen auch durch Fehlverhalten und Bosheit nicht abbricht, sondern immer neue Wege findet, seine Liebe und Gnade den Menschen zukommen zu lassen. | |
| Das macht mir Mut, der Gnade, die Gott mir schenkt zu vertrauen, in und aus ihr das Leben zu gestalten. Zum Wohl für mich und die Menschen mit denen ich lebe. | |
| Hier noch einige Texte, Gebete und Lieder zu diesem Thema: | |
| Reinige uns mit deiner Gnade, damit wir fähig werden das Sakrament deiner großen Liebe zu empfangen. | |
| „Ach bleib mit deiner Gnade bei uns Herr Jesus Christ, dass uns hinfort nicht schade des Bösen Feindes List.“ (GL 436) | |
| „Vergiss nicht zu danken, dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan – barmherzig und gnädig ist er, vielmehr als ein Vater es kann. Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer, kommt betet den Ewigen an.“ (das Lob 443A) | |
| Gib uns die Gnade die heiligen Geheimnisse des Leibes und Blutes so zu verehren, dass uns die Frucht der Erlösung zuteil wird. (GL 592,4) Barmherziger Gott gib, dass die Gnade, die wir in der Feier der österlichen Geheimnisse empfangen haben, durch alle Tage unseres Lebens fruchtbar bleibt. (Tagesgebet 1.5.2025) | |
| Susanne Kopeszki (RB der BG/PHH der ED Wien 3/2025) |