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Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki |
| Rundbrief 3/2026 | gegenwärtig - anwesend |
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Weisheit des
Mönches
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Ein ganz auf das innere Leben ausgerichteter Mönch wurde gefragt, warum er trotz seiner vielen Aufgaben immer so gesammelt sein könne: «Wie gestaltest du denn dein Leben, dass du so bist, wie du bist, so gelassen und so in dir ruhend?» Der Mönch sprach: «Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich schlafe, dann schlafe ich; wenn ich esse, dann esse ich; wenn ich trinke, dann trinke ich; wenn ich schweige, dann schweige ich; wenn ich schaue, dann schaue ich; wenn ich lese, dann lese ich; wenn ich arbeite, dann arbeite ich; wenn ich bete, dann bete ich .. .» Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort: «Das tun wir doch auch. Aber was machst du noch, was ist das Geheimnis deines Menschseins?» Der Mönch aber sprach zu ihnen: «Nein, eben das tut ihr nicht: Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon; wenn ihr geht, seid ihr schon angekommen; wenn ihr sitzt, dann strebt ihr schon weiter; wenn ihr schlaft, dann seid ihr schon beim Erwachen; wenn ihr esst, dann seid ihr schon fertig; wenn ihr trinkt, dann kostet ihr nicht genug; wenn ihr sprecht, dann antwortet ihr schon auf Einwände; wenn ihr schweigt, dann seid ihr nicht gesammelt genug; wenn ihr schaut, dann vergleicht ihr alles mit allem; wenn ihr hört, überlegt ihr euch schon wieder Fragen; wenn ihr lest, wollt ihr andauernd wissen; wenn ihr arbeitet, dann sorgt ihr euch ängstlich; wenn ihr betet, dann seid ihr von Gott weit weg … » in verschiedenen Versionen überliefert |
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Die Geschichte von der Weisheit des Mönches ist mir eingefallen, als ich über das Thema – gegenwärtig sein – nachgedacht habe. |
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| Immer wieder will ich etwas holen oder tun. Auf dem Weg fällt mir etwas anderes ein, dann vergesse ich was ich eigentlich wollte. Oft beginne ich mehrere Dinge gleichzeitig und nebeneinander. Das Ergebnis ist dann unbefriedigend, denn schlussendlich ist dann nichts fertig geworden oder fehlerhaft. Man sagt zwar Frauen nach, dass sie das könnten, was heute „multitasking“ genannt wird, dem ist aber nicht so. Mehrere Dinge gleichzeitig nebeneinander oder im raschen Wechsel führen zu Fehlern, zu Stress und es dauert länger, als wenn sie hintereinander getan werden. | |
| Einem Gespräch zuhören und gleichzeitig einen Artikel zu schreiben ist weit schwieriger, bzw. unmöglich, als zuzuhören und daneben etwas zu putzen, oder zu handarbeiten. Wenn eine Tätigkeit (fast) automatisch geht, kann ich mich auf anderes konzentrieren. | |
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Wenn ich körperlich anwesend bin, heißt das noch lange nicht, dass ich wirklich da und aufmerksam bin. Das ist etwas, was wir alle kennen. Schon in der Schule kommt es vor, dass Kinder mit den Gedanken ganz woanders sind und nicht bei dem, was gerade im Unterricht Thema ist. Unsere Lehrerin fragte dann „wie ist es auf der Mondwiese“? Auch im alltäglichen Gespräch kann der Satz fallen, „du hörst mir ja gar nicht zu“. Oder ich lese ein Buch und nach einiger Zeit komme ich drauf, dass ich gar nicht weiß, was ich jetzt gelesen habe. |
| Manchmal geht es mir auch im Gebet oder im Gottesdienst so. Ich bin zwar körperlich da, aber mit den Gedanken nicht. Früher nannte man das „unandächtig“. Dafür gibt es viele verschiedene Ursachen, Müdigkeit, Sorgen, … Aber eines ist sicher – Gott ist da. So hat er im brennenden Dornbusch seinen Namen genannt. „Jahwe - Ich bin da (für euch)“. Diese Anwesenheit hat Jesus auf besondere Weise gelebt. Er war da für die Menschen. Aber er hat seinen Jüngern und damit auch uns seinen „Geist“ geschenkt, der uns an alles erinnern wird, was er gesagt hat. Wenn wir in Erinnerung an ihn zu seinem Gedächtnis Gottesdienst feiern, ist er in mehrfacher Weise „gegenwärtig“. In der Gemeinschaft, der Anwesenden, in der Person des Priesters, der in seinem Namen redet und handelt, in seinem Wort – deshalb stehen wir beim Evangelium auch auf. | |
| Auf ganz besondere Weise ist er in den Gaben von Brot und Wein anwesend, bleibt es im Tabernakel und in uns, wenn wir ihn in uns aufnehmen. | |
| In der Gewissheit, dass er da ist, auch in mir, kann ich dann all das tun, was gerade zu tun ist. Ich tue es mit ihm und durch ihn und für ihn. | |
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Im Psalm 139 wird diese Gegenwart Gottes auf vielfältige Weise ausgedrückt. „Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt, du bist vertraut mit all meinen Wegen. Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge du, Herr, kennst es bereits. Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich. Zu wunderbar ist dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.“ (GL 657, 2) |
| In einem Lied von Werner und Michael Reischl wird das auch zur Sprache gebracht. „Dass du da bist unsichtbar, unendlich gut und groß und wahr, mich umgibst von allen Seiten wunderbar. Dass in Gelassenheit und Ruh ich vertrauen kann, dass du jeden Tag von mir in deinen Händen hälts. Ja, ich glaube daran und da halt ich mich an, denn ich will für mein Leben einen Sinn. Ja, ich glaube daran, weil es mich tragen kann und mir Hoffnung gibt auf eine Zukunft hin.“ | |
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Ich wünsche uns die Gewissheit der Anwesenheit Gottes, der Gegenwart Jesu in den Zeiten der Ruhe und in der Aktivität, in der Gemeinschaft und im Alleinsein, in der Freude aber noch mehr in den Zeiten der Krankheit und des Alters, in Gebet und Gottesdienst. Vielleicht wird uns dann hin und wieder auch die Erfahrung seiner Nähe und Gegenwart geschenkt, so dass wir selber zu solchen Zeichen werden. |
| Susanne Kopeszki (RB der BG/PHH der ED Wien 3/2026) |