Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Rundbrief 4/2009 berühren
berühren
Vor kurzem habe ich einen Bericht über Kinder, die keinen Schmerz empfinden, im Fernsehen gesehen. Ich war sehr erstaunt über die Probleme, die diese Eltern und Kindern zu bewältigen haben. Unzählige Verletzungen sind die Folge. Die Kinder kratzen und beißen sich blutig, ohne etwas zu spüren. Sie sind ungestüm und draufgängerisch, springen oder fallen hinunter und niemand kann sagen, ob sie sich ernstlich verletzt haben. Vorstellen kann ich es mir immer noch nicht, aber durch diesen Bericht bin ich dankbar, dass ich Schmerz spüre.
spüren, berühren, be-greifen, er-fassen, .... nur einige der Begriffe, die mir zu diesem Thema in den Sinn kommen.

Unser ganzes Leben besteht aus berühren und spüren. Wir haben einen Leib, der empfindsam ist. Wir spüren Wärme, Kälte, Schmerz, Zärtlichkeit. Wir spüren die Kleidung oder den Luftzug, wir wissen, ob wir etwas in der Hand haben oder uneben stehen. Nichts von dem was wir erleben und tun kommt ohne den Tastsinn aus.


Für kleine Kinder ist es zuerst der Mund, mit dem die Welt ertastet wird. Aber auch bei uns spürt die Zunge jede Unebenheit und Veränderung im Mund - jede von uns hat das nach einem Besuch beim Zahnarzt schon wahrgenommen.

Mit der Zeit sind es immer mehr die Finger, die das Tasten übernehmen. Alle Gegenstände und Dinge werden erspürt, und zugeordnet: weich, glatt, rauh, rissig, hart, .....

Besonders empfindsam sind die Fingerspitzen mit ihnen können wir Veränderungen an der Oberfläche bemerken, die so fein sind, dass wir sie nicht sehen können.
Den Satz von Decartes - "ich denke daher bin ich" möchte ich abändern "ich spüre (mich) daher bin ich".
Das Leben wird mühsam wenn im Alter durch die Einengung der Nerven das Gefühl in den Fingern oder Beinen verloren geht. Da fällt es schwer einen Knopf zuzumachen oder das Stehen und Gehen wird unsicherer.
sich berühren lassen
Berührungen geschehen aktiv aber auch passiv. Ich berühre und werde berührt, lasse mich berühren. Schon als Kinder haben wir gelernt bei der Begrüßung und Verabschiedung die Hand zu geben. Oft geschieht das ohne viel zu denken. Nur wenn eine Hand wie Pudding oder wie ein Schraubstock reagiert, dann achten wir darauf. Und doch kann mit einem Händedruck schon sehr viel mehr ausgedrückt werden.
Je nachdem wie gut ich mich mit jemandem verstehe, werde ich auch andere Berührungen zulassen - Umarmungen, Küsse. Bei Ehepartnern sind manche Berührungen nur für einen Menschen und für einen geschützten Bereich vorbehalten.
Doch auch fremden Menschen erlauben wir uns zu berühren z.B. Ärzten, Physiotherapeuten und Masseuren. Doch auch hier entsteht durch die Berührung eine Form von Beziehung. Von einer Kollegin, die im September auf Kur war, habe ich gehört, dass sie jedes Mal von einer anderen Person massiert wurde und ihr das gar nicht angenehm war. Allerdings sah sie auch das Positive, sie hätte ja auch 10 mal jemanden erwischen können, der ihr nicht zusagt.
spüren - Gespür
Aber wir reden nicht nur im wörtlichen Sinn von berühren und spüren, sondern auch im übertragenem. Der oder die hat ein Gespür wie ein Elefant (mit dieser Aussage tun wir den Dickhäutern wirklich unrecht), oder er/sie hat ein Fingerspitzengefühl für das was jetzt notwendig ist. Wir spüren wenn jemand schlecht gelaunt oder traurig ist, ein Gewitter in der Luft liegt oder Versöhnung geschehen ist.
Wir werden von Berichten und Lebensgeschichten berührt, fühlen mit, wenn jemand krank, oder von einem Todesfall betroffen ist. Wir tasten ab, ob wir jemandem vertrauen können.
  Susanne Kopeszki (RB der ED Wien 4/09)