Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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In unsere Hände gelegt
Zeichen der Zeit
Mitte September war ich zu einem Vortrag bei einer Männerrunde in einer unserer Wiener Pfarren eingeladen. Es gehört dort zur guten Tradition, einmal im Jahr den Geistlichen Assistenten der Katholischen Männerbewegung Wien-Stadt zu hören und mit ihm zu diskutieren. Dabei wird mir die Themenwahl überlassen. Ich hatte mir - fünfzig Jahre nach der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils - ein Wort aus der Pastoralkonstitution "Freude und Hoffnung" gewählt.
Es war das Wort von den Zeichen der Zeit, die es zu erkennen gilt, um dem Sendungsauftrag unseres Herrn Jesus Christus entsprechend zu handeln. Es kam mir der Gedanke, sie am Beispiel ihrer Pfarrkirche, ihrer Baugeschichte, ihrer Ausstattung, erkennen zu lassen, wie die jeweilige Zeit Spuren hinterlassen hat. Spuren, die man ruhig auch als Antwort des Glaubens verstehen kann. Natürlich musste ich mich vorher "schlau" machen. Eine große Hilfe war mir dabei das Buch von Prof. Wolfgang J. Bandion Steinerne Zeugen des Glaubens - Die heiligen Stätten der Stadt Wien, Verlag Herold. Ich staunte nicht wenig, wie "beschlagen" sich die Männer zeigten.

Angeregt durch diese Erfahrung machte ich mich in unserer Kirche auf die Suche, ob etwas zu finden wäre, das unsere Aufgabe heute unaufdringlich, aber doch eindringlich genug, zum Ausdruck bringen könnte. Das geänderte Verständnis von Kirche und der diözesane Entwicklungsprozess legen solche Überlegungen doch nahe, meinen Sie nicht? .

Beim rechten mittleren Seitenaltar, dort wo sich das Taufbecken befindet, ist rechts vom Tabernakel ein kleines Bild zu sehen. Es stellt den hl. Markgrafen Leopold dar, ein Putto hält ein Modell der Klosterneuburger Kirche in Händen. Ich finde, dass uns in diesem Bild eine Seite unseres Auftrages, unserer Sendung - gerade für unsere Gegenwart - in Erinnerung gerufen wird:

Unser Herr Jesus Christus hat seine Kirche Menschen anvertraut, in ihre Hände gleichsam das Wohl und Wehe dieser Gemeinschaft gelegt. Hat er sich nicht selbst in seiner Menschwerdung einer Familie anvertraut? Zeichen der Zeit erkennen könnte unter anderem auch bedeuten: Sich als Glaubender der Verantwortung bewusst werden, dass - wie weiter oben gesagt - das Wohl und Wehe der Kirche in unsere Hände gelegt ist.

  Aus diesem Bewusstsein folgt ein "missionarisches" Handeln. Beim Propheten Sacharja, dessen Buch wir beim Bibelgespräch im Oktober besprachen, wird das [8,23] so umschrieben: "In jenen Tagen werden zehn Männer aus Völkern aller Sprachen einen Mann aus Juda an seinem Gewand fassen, ihn festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört: Gott ist mit euch."
  Übrigens finden wir gerade im weihnachtlichen Festkreis Personen, die die Zeichen der Zeit erkannten und entsprechend handelten: Die Hirten und die Magier aus dem Osten
meint Ihr Pfarrer Franz Wilfinger