Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Die oberösterreichische Landesausstellung 2010 auf Schloss Parz/Grießkirchen stand unter dem Thema Renaissance und Reformation. Der gewichtige Katalog zur Ausstellung enthält eine ganze Reihe profunder Beiträge, die uns Heutigen zum besseren Verständnis für diese Umbruchszeit verhelfen wollen.

Nachdenklich stimmen die Ausführungen über "Die katholische Kirche in Oberösterreich zur Zeit der Reformation" (Katalog S. 309 ff). "Im Lande ob der Enns erlebte die Frömmigkeitspraxis im späten Mittelalter keine Krise, sondern eine ungeheure Blüte. Man begegnet einer einzigartigen Intensität und einem faszinierenden Reichtum an spirituellen Formen. In allen gesellschaftlichen Schichten wurden in großer Zahl Benefizien und Altäre gestiftet, die Heiligen - und Reliquienverehrung erreichte um 1500 einen Kulminationspunkt, Prozessionen und Wallfahrten florierten im ganzen Land. Das Phänomen, dass das vorreformatorische Frömmigkeitsleben im Land ob der Enns in höchster Blüte stand und die Tatsache, dass die Menschen desselben Territoriums im Laufe des 16. Jahrhunderts nahezu komplett der altgläubigen Kirche den Rücken zukehrten und evangelisch wurden, gehört zu den erklärungsbedürftigsten Paradoxien der heimischen Religionsgeschichte. . .

Im Zentrum spätmittelalterlicher Frömmigkeit stand die Sorge, für die Zeit nach dem irdischen Leben das Heil und die Gnade Gottes und schließlich die Eintrittskarte ins ewige Paradies zu erwerben. Der fromme Mensch des 15. Jahrhunderts war ganz und gar von dem Glauben erfüllt, dass er während seines Lebens auf Erden sowohl für sich selbst als auch für andere Werke tun kann, die einmal positiv zu Buche schlagen werden...."

Im Blick auf das vorhin erwähnte Zentrum spätmittelalterlicher Frömmigkeit drängt sich gerade zu ein Vergleich mit der Gegenwart auf. Wie eine Art Käseglocke scheint sich eine Einstellung zur Lebensgestaltung verbreitet zu haben, deren alles bestimmender Grundsatz lautet: "Nur nicht über das Leben hier auf Erden hinaus. Hier findest du Erfüllung, jeder Gedanke an ein Darüber-Hinaus ist abwegig. Dieses gelebte Nicht-Glauben-Brauchen hat bei weitem mehr verlockenden als kämpferischen Charakter."

  Nachdrücklich werden wir an den letzten Sonntagen des Kirchenjahres im Wortgottesdienst an unsere Berufung erinnert, das Irdische zu überschreiten, weil uns die endgültige Teilhabe am göttlichen angeboten wurde. Die Entscheidung dafür haben wir mit der Taufe grundsätzlich getroffen, bewahrheiten muss sich aber dieses JA zu Gott im alltäglichen Leben.
Haben wir uns mit dem JA des Glaubens für Gott entschieden, so ist das nur die Antwort auf die Entscheidung Gottes für uns Menschen. Weihnachten erinnert an die Initiative Gottes für uns Menschen, die in der Menschwerdung seines Sohnes "greifbar und sichtbar" wurde.
Dankbar dürfen wir feiern
meint Ihr Pfarrer Franz Wilfinger