Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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  Weniger oder mehr
Dass unsere Paulaner Nachrichten gelesen werden, bestätigen mir Rückmeldungen. In der Regel beziehen sie sich nicht auf den Inhalt der Beiträge oder Berichte. Häufiger wird mit missbilligendem Unterton auf Druckfehler hingewiesen. Der Hinweis, dass trotz mehrmaligen Lesens etwas übersehen wird oder Angekündigtes durch Unvorhergesehenes nicht zur Ausführung gelangt, wird zwar gehört, aber mit der Bemerkung abgerundet: "So wichtig ist die Angelegenheit ja nicht, aber es sollte dennoch nicht vorkommen"! Um solchen "Anmerkungen" vorzubeugen, sei gleich eingangs betont, dass die Überschrift des Leitartikels bewusst so formuliert wurde, im Unterschied zur gängigen Ausdrucksweise: mehr oder weniger.
Natürlich sollten diesmal in den PN Tipps für die Fastenzeit nicht fehlen. Aber welche? Nur oft Gehörtes wiederholen oder längst Geübtes empfehlen? Wo wäre - angesichts der Überfülle des Angebotenen - ein Weniger höchst angebracht? Wenn zum Weniger ein Mehr für das Wohl der Mitmenschen noch dazu käme, würde das durchaus mit dem traditionellen Fasten und Almosen geben übereinstimmen.
  Nehmen wir nicht in unserer Umgebung eine Fülle von Mängeln und Fehler wahr? Ärgerlich stellen wir solche bei unseren lieben Mitmenschen fest, bei Organisation und Gemeinschaften, bei Vertretern des politischen Lebens und natürlich auch bei Vertretern der Kirche. Selbstredend werden dabei nicht selten stillschweigend die eigenen Fehler übersehen, ja man nimmt - natürlich unbewusst - sich selbst als Maßstab.
Die Antwort auf diese "Überfülle" an vorhandenen Mängeln ist nicht selten - das Nörgeln. Weniger nörgeln - das wäre doch ein guter Vorsatz für die Fastenzeit, der dann durchaus über diese Zeit hinaus verlängert werden könnte. Ich darf dazu einige Zitate anführen, die sich im "Tagebuch einer Krebserkrankung" finden, das der im August mit 49 Jahren verstorbene Künstler Christoph Schlingensief niederschrieb. "Am liebsten würde ich einfach allen, allen Menschen zurufen, wie toll es ist, auf der Erde zu sein" [Tagebuch S. 249]. Oder: "Jede Krankheit ist eine Kraft, die zur Schöpfung gehört, sie ist ein Teil dieser Schöpfung, die man nicht einfach wegsperren darf." [Tagebuch S.234]
Mehr loben - wäre der zweite Teil des Vorsatzes für die Fastenzeit, der zweifellos zur Klimaverbesserung beitrüge und von unserer Umgebung keineswegs als unangenehm empfunden würde.
  Mit dem weniger nörgeln - mehr loben könnte mehr von der Osterfreude in unsere Welt hineingetragen werden und die zweifelnde Frage positiv beantwortet werden, die Schlingensief in seinem Tagebuch stellt "Warum ist das Gottesprinzip kein Freudenprinzip"? [Tagebuch S. 211]
meint Ihr Pfarrer Franz Wilfinger

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