Msgr. Franz Wilfinger und Susanne Kopeszki

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Paulaner Nachrichten:
Juli/August 2011
Brot und Freiheit
Die Verbindung der beiden Begriffe ist eher ungewohnt, das gebe ich gerne zu. Es sind Worte aus zwei Gedichten, die gerade in ihrem Gegensatz aufzeigen, worum es uns Christen geht und was uns als Christen angeboten wird und wir andererseits anzubieten haben.
1863 schrieb Georg Herwegh (1817-1875) im "Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein"
"Brecht das Doppeljoch entzwei! Brecht die Not der Sklaverei! Brecht die Sklaverei der Not! Brot ist Freiheit, Freiheit Brot! "Bet und arbeit" ruft die Welt, bete kurz! Denn Zeit ist Geld! An die Türe pocht die Not. Bete kurz! Denn Zeit ist Brot! "

1945, einige Wochen vor seiner Hinrichtung schrieb P. Alfred Delp SJ mit gefesselten Händen in seiner Zelle in Berlin-Plötzensee:
"Brot ist wichtig. Die Freiheit ist wichtiger. Am wichtigsten aber ist die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung".

Brot ist wichtig, wir leben von ihm. Wir bitten um das tägliche Brot. Nach dem vierzigtägigen Fasten wird Jesus versucht, als erstes den leiblichen Hunger zu stillen. Bis heute gibt es die Versuchung, mit oberflächlicher Befriedigung die Sehnsucht nach innerer Erfüllung zu übertünchen. Schuften und schaffen, von einem Event zum anderen taumeln, das gleicht eher einer Dauerflucht als einer Erfüllung. Gemessen an der tiefsten Sehnsucht des Herzens gleicht das Angebot der Erde eher den Steinen in der Wüste. Die machen uns letztlich nicht satt. Es ist teuflisch, die Steine als Brot auszugeben, das Vorläufige zum Endgültigen zu erklären. Wenn wir dieser Versuchung verfallen, dann kann es uns wie ein Stein im Magen liegen.
Freiheit ist ein Grundwort unserer Zeit. Es klingt gut, ein großes Wort, ein zerbrechliches Gut. Geht es uns manchmal nicht zu leicht über die Lippen? Was meinen wir Christen mit Freiheit? Die Bibel kennt keine Allerweltsfreiheit. Es geht um die Freiheit der Söhne und Töchter Gottes. Wir sind als Christen zur Freiheit berufen, nicht trotz des Glaubens sondern aufgrund des Glaubens. Die Geschichte der Freiheit beginnt in Gott, ER bürgt für Freiheit.

Viele sehen das heute anders. Sie wollen frei sein von Gott, sich von ihm emanzipieren, sich bewusst seiner Hand entziehen, autonom sein. Freiheit ist aber weder pure Beliebigkeit noch totale Unabhängigkeit. Freiheit braucht Bindung, weiß sich an Gott gebunden. Er ist das Risiko der Freiheit mit uns eingegangen. (Nachzulesen wäre Gal 5,13.29-21). Freiheit der Kinder Gottes heißt nicht Selbstverwirklichung auf Kosten anderer, sondern Selbstbeschränkung. Der Mensch darf nicht alles, was er kann. Christliche Freiheit zielt nicht darauf ab, sich nach Lust und Laune die angenehmsten Seiten selbst zu nehmen, sondern das Leben für andere zu geben.

Lassen wir noch einmal P. Delp zu Wort kommen:
"Die Geburtsstunde der menschlichen Freiheit ist die Stunde der Begegnung mit Gott. Die freie und vorbehaltlose Begegnung mit dem Herrgott erst gibt dem Menschen seinen eigenen Raum. Anbetung und Hingabe sind die beiden Urworte der menschlichen Freiheit, das gebeugte Knie und die hingehaltenen leeren Hände sind die beiden Urgebärden des freien Menschen."

Wir brauchen nicht lange nach einem Symbol für Brot und Freiheit suchen - im Sakrament des Altares hat es uns Jesus selbst gegeben,

meint Ihr Pfarrer Franz Wilfinger


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